Auf Dauerbetrieb

KOMPETENZ - Das Magazin für den organisierten Erfolg (Symbolbild)

KOMPETENZ – Das Magazin für den organisierten Erfolg (Symbolbild)

Engagement. Sänger und Kabarettist Willi Resetarits über alte Forderungen und die Initiative „Machen wir uns stark“, über Volksverhetzung, Asylbescheide und Hungerlöhne.

KOMPETENZ: Sie engagieren sich schon seit vielen Jahren für Flüchtlinge. In letzter Zeit hat sich jedoch vieles im Asylbereich verschlechtert. Was treibt sie an, dennoch weiter zu machen?

Resetarits: Das weiß ich nicht. Man muss es machen. Es ist ein zäher Kampf für alle sozial engagierten Menschen. Das Ziel ist illusionär, nämlich, dass das Paradies ausbricht. Dieses Ziel gibt uns aber die Richtung vor. Dass wir so schlechte Karten in der Asylpolitik haben, ist bedauerlich, aber das heißt nicht, dass man deshalb aufgeben soll. Ich bin in der Hinsicht seit 40 Jahren auf Dauerbetrieb gestellt.

KOMPETENZ: Ist das Leben in Österreich für Sie lebenswert?

Resetarits: Es ist sehr lebenswert. Wir gehören zu den ein, zwei Prozent der Weltbevölkerung, die es am besten erwischt haben. Der Mehrheit in Österreich geht es doch saugut. Es ist zwar eine Schande für so ein reiches Land, dass es immer mehr Arme gibt, aber der großen Mehrheit geht es gut. Klar, jeder Arbeitslose ist einer zu viel, aber die, die nicht arbeitslos sind, brauchen nicht kopflos und panisch durch die Welt laufen und unanständige Politiker wählen.

KOMPETENZ: Sie meinten in einem Kommentar, die Asylpolitik sei eine Katastrophe und die Schulreform stagniert.

Resetarits: Ja, seit vierzig Jahren! Da muss man doch mit dem Kopf gegen die Wand schlagen!

KOMPETENZ: Das empfinden Sie so, aber regt das die Mehrheit auch so auf wie Sie?

Resetarits: Ich glaube, das sieht eine Mehrheit der Österreicher so wie ich. Sie sind aber vereinzelt. Viele sind engagiert, aber sie haben keine Stimme, sie sind keine Lobby. Die Initiative „Machen wir uns stark“ war nicht als neuer Verein gedacht, aber als Stimme für die vielen Initiativen, die es gibt.

KOMPETENZ: Was ist so schlimm an der Asylpolitik der Regierung? Was läuft falsch?

Resetarits: Da passiert Volksverhetzung, indem man Sündenböcke sucht. Eine Partei, die mir nicht sympathisch ist, hat damit angefangen und andere Parteien haben sich angeschlossen, weil sie glauben, sie könnten da mitnaschen. Ich glaube, man könnte eine anständige Haltung einnehmen und trotzdem Wählerstimmen bekommen. Denn es gibt eine große Sehnsucht in der Bevölkerung nach Politikern, die klar und ehrlich reden, und nicht um den heißen Brei herum. Vor den Wahlen veröffentlicht man beispielsweise kein Budget, und dann sagt man in Interviews irgendwas, obwohl jeder weiß, dass die Zahlen nicht genannt werden, um keine Stimmen vor den Wahlen zu verlieren.

KOMPETENZ: Was wäre nun ein sinnvoller Schritt?

Resetarits: Asyl- und Integrationsagenden raus aus dem Innenressort, und in ein eigenes Ressort. Ich sage ja nicht, dass alle Ausländer besonders gute Menschen sind. Und es gibt nicht die Ausländer. In erster Linie leben in Österreich Deutsche, in zweiter Linie andere EU-Bürger, dann die Nachkommen von Menschen aus aller Welt und Flüchtlinge, die positive Asylbescheide bekommen. Die meisten, die um Asyl ansuchen, haben ihre Gründe, die jedoch nicht ausreichend gewürdigt werden! Wir brauchen Zuwanderung. Darüber muss doch nicht mehr diskutiert werden, das sagen alle Experten, das weiß jeder.

KOMPETENZ: Sie schlagen vor, dass Steuern nach der Leistung für das Gemeinwohl eingehoben werden sollen. Wie meinen Sie das konkret?

Resetarits: Ich bin kein Experte, aber eine Gesellschaft drückt ihre Wertschätzung für eine Leistung in der Höhe des Gehaltes aus. Eine Kindergartenbetreuung ist derzeit einen Dreck wert. Das macht mich fuchsteufelswild, denn diese Arbeit ist so wichtig und wird mit einem Hungerlohn honoriert. Auch die Berufstätigen im Sozialbereich sind schlecht bezahlt, die Anfangsgehälter der Lehrer sind viel zu niedrig.

KOMPETENZ: Die ÖVP spricht auch stets von Leistungsgerechtigkeit, meint aber, dass Gutverdienende und Reiche nicht höher besteuert werden sollen, weil sie so viel leisten und aufgrund ihrer Leistung so viel Geld haben.

Resetarits: Das stimmt doch überhaupt nicht! Die Leistungen für die Gesellschaft werden absolut nicht honoriert. Das muss in die Köpfe endlich mal hinein. Ich will niemandem, der sehr gut verdient, unterstellen, dass er nichts arbeitet, aber ich will ganz, ganz viele Menschen namhaft machen, die sich selbst und ihre Gesundheit gefährden, weil sie so viel arbeiten und viel zu wenig verdienen. Das ist nicht gerecht.

KOMPETENZ: Wenn die Forderung nach Lohnerhöhungen und Verbes- serungen im Sozialbereich kommt, heißt es oft, wir haben kein Geld.

Resetarits: Ja, als ich mit dem Kanzler gesprochen habe, sagte er, ich bin bei dieser Frage ganz bei Ihnen, aber wir haben kein Geld. Gut, danke, dann geh ich wieder heim, ich habe es wenigstens probiert, Herr Kanzler. Aber natürlich könnte man mehr Geld bekommen, von Personen, die gut verdienen, so wie ich. Von meinem Geld soll das bezahlt werden! Ich will, dass KindergartenbetreuerInnen mehr verdienen. Der Raiffeisenkonzern hat in den vergangenen Jahren etwa ein Prozent Steuer gezahlt. Einer der größten Konzerne in Österreich! Diese Konzerne haben Lobbys, die dafür arbeiten, dass im Interesse der Konzerne alles so bleibt wie es ist. Deshalb bin ich natürlich dafür, dass Vermögen, Stiftungen und Spekulationen höher besteuert werden.

Das Interview führte Eva Maria Bachinger