Kürzere Arbeitszeit, mehr Zeit zum Leben

KOMPETENZ - Das Magazin für den organisierten Erfolg (Symbolbild)

KOMPETENZ – Das Magazin für den organisierten Erfolg (Symbolbild)

Work-Life-Balance. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung stellt sich auch die Verteilungsfrage neu. Nicht nur die Einkommen und Steuern müssen umverteilt werden, sondern auch die Arbeitszeit.

Die Wirtschaft freut sich, dass es wieder aufwärts geht, die Unternehmen freuen sich, dass sie wieder Gewinne schreiben und der Finanzminister freut sich, dass das Loch im Budget kleiner ausfallen wird, als erwartet. Schön! Auch wir GewerkschafterInnen freuen uns natürlich über den wirtschaftlichen Aufschwung, denn er schafft Spielraum, um auch den ArbeitnehmerInnen ihren gerechten Anteil zukommen zu lassen.

Neben der finanziellen Abgeltung des wirtschaftlichen Erfolgs ist die wichtigste Ressource, die es zu verteilen gilt, die Zeit. In wenigen Ländern Europas ist Arbeitszeit so ungleich verteilt wie in Österreich. Während die einen mit einem Teilzeitjob finanziell kaum über die Runden kommen, arbeiten die anderen so viel, dass sie dabei ihre physische und psychische Gesundheit aufs Spiel setzen. Auf den Zeitkonten sammeln sich die nicht abgegoltenen Über- und Mehr- stunden, während die Arbeitslosigkeit weiterhin hoch ist. Frauen sind vom Problem der nicht abgegoltenen Überstunden übrigens überdurchschnittlich betroffen: Jede dritte von einer Frau geleistete Mehr- bzw. Überstunde wird nicht bezahlt.

Es ist also höchste Zeit die Arbeits- zeit anders zu verteilen. Dazu gehört erstens die Abgeltung bereits gearbeiteter Zeit sowie die strengere Kontrolle und Ahndung von falschen Arbeitszeitaufzeichnungen, zweitens die mittel- und langfristige Reduktion von Über- stunden, indem diese für Arbeitgeber unattraktiver gemacht werden und drittens eine Verkürzung der Normalarbeitszeit.

Arbeitszeitverkürzung bringt Vorteile für Gesellschaft, Unter- nehmen und Individuen. Für die Gesellschaft bringt sie ein Mehr an Arbeitsplätzen, für die Unternehmen gesündere MitarbeiterInnen und für die/den Einzelne/n bringen kürzere Arbeitszeiten mehr Zeit für Gesundheit, für Bildung und einfach zum Leben.

In einer Arbeitswelt, die für die Beschäftigten immer mehr berufliche Belastungen und oft auch
arbeitsbedingte Erkrankungen mit sich bringt, stehen kürzere Arbeitszeiten vor allem für jüngere ArbeitnehmerInnen ganz oben auf ihrer Prioritätenliste.
Dringender als Karriere und Geld wünschen sie sich eine ausgewogene Work-Life-Balance, ein Leben, dessen alleiniges Zentrum nicht der Arbeitsplatz ist.

Arbeitszeitverkürzung ist neben allen gesundheitspolitischen und individuellen Vorteilen auch eine Frage der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Der Zeitpunkt ist perfekt, es gibt keinen Grund, notwendige Maßnahmen für weniger Arbeitszeit und mehr Lebensqualität weiter zu verzögern, und ich bin sicher, dass auch die Arbeitgeber das letztlich begreifen werden.