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10 Jahre IGs in der GPA-djp

FunktionärInnen der Interessengemeinschaften in der GPA-djp

Jubiläum. Die Interessengemeinschaften der GPA-djp feiern ihren 10. Geburtstag. Eine neue und andere Form der gewerkschaftlichen Vertretung, die Recht auch in Bereichen durchsetzt, in denen es davor kaum Chancen gab.

Die Arbeitswelt hat sich in den vergangen Jahren stark gewandelt. Technischer Fortschritt einerseits, eine steigende Anzahl von „atypischen Beschäfti- gungsverhältnissen“ andererseits haben in zahlreichen Unternehmen und in ganzen Wirtschaftszweigen die Arbeitsbeziehungen verändert.

Immer mehr Beschäftigte können nicht mehr die nötigen Sicherheiten einer „klassischen“ Anstellung genießen und verrichten ihre Arbeit auf Werkvertragsbasis oder als freie DienstnehmerInnen. Betroffen sind verschiedenste Berufszweige, etwa PflegerInnen, ErwachsenenbildnerInnen, AußendienstmitarbeiterInnen, Kreative oder Beschäftigte in der Informationstechnologie.

Plattformen für engagierte Menschen

Neue Arbeitsbeziehungen verlangen nach neuen Organisationsformen. Seit mittlerweile zehn Jahren will die GPA-djp diese Erwerbstätigen verstärkt ansprechen und gründete sieben Interessengemeinschaften (kurz „IG“, siehe Info-Kasten unten) als Plattformen für engagierte Menschen.

„Wir wollten als Gewerkschaft abseits der klassischen Strukturen für neue Mitglieder attraktiv sein“, erklärt Eva Scherz, Ansprechpartnerin für die Interessengemeinschaft work@social in der GPA-djp. Das Prinzip: Einfach dabei sein! Wer in einer IG aktiv mitarbeiten will, muss nicht BetriebsrätIn sein, sondern kann einfach kandidieren und gewählt werden. „Die IGs haben nicht nur die GPA-djp, sondern auch die Beschäftigten verändert. Jene, die davor keinerlei Möglichkeit hatten, ohne ein Betriebsratsmandat aktiv mitzuarbeiten, bekamen mit den IGs die Möglichkeit dazu“, sagt Selma Schacht, Vorsitzende der work@social. Bisher sind über 20.000 Menschen in den IGs einge- tragen, davon sind rund 12.500 auch Mitglieder der GPA-djp.

Erfolge

Die IGs sind Plattform, Lobby und Netzwerk und wirken aktiv an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen mit. Andrea Schober, Sekretärin in der GPA-djp und verantwortlich für die Interessengemeinschaften work@flex und work@education: „Besonders stolz sind wir, dass wir bei der sozialen Besserstellung der freien DienstnehmerInnen in den letzten Jahren sehr viel erreichen konnten.“ Die „Freien“ fallen seit 2008 in die gesetzliche Arbeitslosen- und Pensionsversicherung, sind als (werdende) Mütter berechtigt, Wochengeld zu bekommen, und Krankengeld gibt es ab dem vierten Tag der Krankheit. Bei einer Firmenpleite sind sie auch berechtigt, Geld aus dem Insolvenzausgleichsfonds zu erhalten. Die Konsequenz: ArbeitnehmerInnen werden jetzt wieder häufiger angestellt, die Anzahl der freien Dienstverträge ist um 25 Prozent gesunken. „Die freien DienstnehmerInnen sind für die Arbeitgeber deutlich teurer geworden“, freut sich Andrea Schober.

Auch bei den ErwachsenenbildnerInnen (work@education) konnte ein großer Erfolg erreicht werden: Durch intensive gewerkschaftliche Intervention mussten die in der Branche oft üblichen freien Dienstverhältnisse in Anstellungen umgewandelt werden – und der Kollektivvertrag muss eingehalten werden. „Für die GPA-djp war es wichtig, den Organisationsgrad im Bereich der freien DienstnehmerInnen zu erhöhen und dem Aufweichen des ArbeitnehmerInnenbegriffes sowie dem Entstehen einer großen Gruppe von ArbeitnehmerInnen zweiter Klasse entgegenzuwirken“, erklärt Gudrun Konrad, Vorsitzende work@education.

In den Interessengemeinschaften sind auch viele Hochqualifizierte vertreten. So organisieren sich in der work@professional Fach- und Führungskräfte wie Teamlei- terInnen oder MeisterInnen. Eva Scherz: „Besonders Jüngere lassen sich durch All-in-Verträge blenden, sehen nur, dass sie einiges über den Kollektivvertrag hinaus verdie- nen. Erst später merken sie, dass sie um Zuschläge umfallen.“ Dass gute Ausbildung nicht mit guter Bezahlung gleichzusetzen ist, zeigt sich an vielen Forschungseinrichtungen. Dort setzt sich die work@professional für faire Forschungsverträge ein.

Solidarität und Partizipation

Zehn Jahre IGs – eine Erfolgsgeschichte: „Die IGs sind die solidarische Stimme in der Gewerkschaft, sie bringen neue Aspekte in die Gewerkschaft!“, sagt Juliana Hartig von der work@migration. Denn das Lobbying für MigrantInnen hat auch eine eigene IG übernommen.

Clemens Miniberger, bis 2007 Vorsitzender der work@flex und IGler der ersten Stunde, ist 2003 zufällig auf die work@flex gestoßen: „Mich hat das offene und partizipative Konzept sofort überzeugt, Priorität haben inhaltliche Auseinandersetzung und Aktivismus. Jeder und jede kann sich einbringen. Mit den Interessengemeinschaften geht die GPA-djp als einzige Gewerkschaft auf die sich verändernde Arbeitswelt und die sich damit verändernde Bedürfnisse von Mitgliedern ein.“

[stextbox id=“info“ caption=“7 Interessengemeinschaften in der GPA-djp“]

Derzeit gibt es sieben Interessengemeinschaften: In den Bereich der work@flex fallen ArbeitnehmerInnen, die als freie DienstnehmerInnen oder WerkvertragsnehmerInnen beschäftigt sind.

Die IG work@education ist für TrainerInnen in der Erwachsenenbildung zuständig. Im privaten Gesundheits- und Sozialbereich wirkt die work@social. Fach- und Führungskräfte sind in der work@professional organisiert, und ArbeitnehmerInnen, die überwiegend außerhalb des Betriebs arbeiten, haben sich in der work@external zusammengeschlossen. MitarbeiterInnen der IT- Branche und neuer Medien finden sich in der work@it wieder und MigrantInnen in der work@migration.

An der Gründung einer weiteren Interessengemeinschaft wird derzeit gearbeitet.

www.gpa-djp.at/interesse

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