Frauen klagen Wal-Mart

Betty Dukes

Die nächste Runde in einem langen Kampf für Gerechtigkeit. 

Wer bei Wal-Mart einkauft, wird von einer Angestellten beim Eingang freundlich begrüßt. Eine solche “Begrüßerin” bei Wal-Mart war Betty Dukes. Obwohl sie länger bei der Firma war und öfter Interesse für eine höhere Stelle gezeigt hatte, wurden immer Männer für Beförderungen vorgezogen.

Betty Dukes und fünf weitere Frauen haben im Juni 2001 in San Francisco, U.S.A., eine Klage gegen Wal-Mart wegen sexueller Diskriminierung eingereicht. Wal-Mart ist ein US-amerikanischer weltweit tätiger Handelskonzern und größter privater Arbeitgeber der U.S.A. Die Klägerinnen wollen Reformen bei Wal-Mart sowie Schadenersatz für entgangenen Lohn und Leistungen für die Opfer.

Systematisch diskriminiert

Die Klage Dukes vs. Wal-Mart wirft dem Unternehmen vor, Frauen systematisch weniger zu bezahlen als Männern mit vergleichbaren Qualifikationen. Frauen seien bei beruflicher Weiterbildung und Beförderungen benachteiligt und wer sich darüber beschwert, müsse mit Vergeltungsmaßnahmen rechnen.

Die Aussagen von hunderten weiblichen (ex-)Wal-Mart Angestellten und Analysen der elektronischen Gehalts- und Personaldaten Wal-Marts bestätigen laut AnwältInnen der Klägerinnen das Muster der Diskriminierung bei der Bezahlung und Beförderung. Zusätzlich beschwerten sich viele Frauen darüber, dass sie dazu angehalten wurden, sich zu schminken und “aufzubrezeln” und dass ihnen gesagt wurde, Frauen verdienen weniger, weil sie nur dazuverdienen, während Männer ihrer Familien erhalten müssen.

Wal-Marts eigene Statistiken untermauern die Beschwerden. Obwohl 2/3 der Wal-Mart Beschäftigten weiblich sind, sind weniger als 1/3  der  niedrigen ManagerInnen und nur 15 Prozent der FilialleiterInnen Frauen.  Frauen verdienen in allen Jobkategorien weniger als Männer mit vergleichbarem Dienstalter, obwohl sie durchschnittlich höhere Leistungsbewertungen bekommen.

Sammelklage

Im Jahr 2004 gab ein Richter in San Francisco dem Rechtsstreit den Rang einer Sammelklage. Im Fall einer Sammelklage im amerikanischen Rechtssystem erheben die Betroffenen nicht individuell Klage, sondern gehören automatisch durch die Erfüllung bestimmter Kriterien zu der KlägerInnengruppe. Das Verfahren wird von KlägerInnen geführt, die den Rest der Gruppe repräsentieren. Wenn dann später nach einem Gerichtsurteil oder Vergleich Schadenersatz gezahlt wird, braucht eine Betroffene nur ein Formular ausfüllen, um ihr Geld zu erhalten. Aufgrund hoher Gerichts- und Anwaltenskosten ist eine Sammelklage oft die einzige Möglichkeit für Menschen mit niedrigem Gehalt zu ihrem Recht gegenüber Konzernen wie Wal-Mart zu kommen.

Wal-Mart versucht mit allen Kräften eine Sammelklage abzuwehren, da eine solche alle Frauen, die seit 1998 bei Wal-Mart arbeiten oder gearbeitet haben, also bis zu 1,5 Millionen Frauen, erfassen könnte.

Nun hat Wal-Mart den Obersten Gerichtshof in Washington angerufen. Vor dem Sommer soll endgültig  entschieden werden, ob eine Sammelklage zulässig ist oder nicht. Aber auf ihre Rechte können Betty Dukes und die anderen Klägerinnen noch lange warten, denn dann fängt der Prozeß erst an.

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