Fair statt prekär

Schwarze Schafe

Schwarze Schafe c/Fotolia

Prekäre Beschäftigungen. In den Call Centern und privaten Bildungseinrichtungen konnten zahlreiche Verbesserungen erreicht werden. Es gibt immer mehr Angestelltenverhältnisse – aber trotzdem noch schwarze Schafe.

Versandhäuser tun es, Handy- und andere Telekomunternehmen ebenso wie Service-Hotlines: Sie bieten eine telefonische Dienstleistung für Bestellungen, Reklamationen oder Beschwerden an. Die Anrufe landen in der Telefonzentrale der Firma oder in einem ausgelagerten Call Center. Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Speziell in outgesourcten Abteilungen haben bis vor einiger Zeit noch viele freie DienstnehmerInnen zu prekären, also schwierigen und schlecht bezahlten Bedingungen gearbeitet. Vor fünf Jahren hat die GPA-djp nach langen Verhandlungen und Arbeitskämpfen erreicht, dass Call Center ihre MitarbeiterInnen nicht mehr als freie DienstnehmerInnen, sondern in einem Angestelltenverhältnis beschäftigen müssen. Denn die Freien DienstnehmerInnen in den Call Centern waren gänzlich weisungsgebunden, hatten aber keinen Anspruch auf bezahlten Urlaub, fielen nicht unter das Arbeitszeitgesetz und das Mutterschutzgesetz und es gab auch keinen Mindestlohn für sie.

Call Center

Dabei ist in Call Centern die Tätigkeit per se alles andere als rosig. „In den seltensten Fällen greifen die Anrufer zum Telefon, um sich zu bedanken oder zu sagen, es ist alles gut“, erzählt Jürgen Leister. „Die Leute sind oft extrem ungehalten und vergessen alle Formen der zwischenmenschlichen Kommunikation.“ Vollzeitbeschäftigte nehmen pro Tag 100 bis 150 Anrufe entgegen, je nach Projekt. Das zehrt an den Nerven, und die MitarbeiterInnen brennen aus. Hinzu komme oft der Druck der Arbeitgeber, so rasch wie möglich zu telefonieren, die Pausen so kurz wie möglich zu halten und akkordmäßig so viel wie möglich aus den ArbeitnehmerInnen herauszuholen, schildert Leister ein sehr gängiges Arbeitsumfeld in Call Centern. Er ist Betriebsratsvorsitzender bei Walter Services Austria GmbH, wo er selbst sechs Jahre lang telefonierend tätig war. Im Durchschnitt mache man diese Tätigkeit aber nur rund zwei bis drei Jahre. „Es gibt auch Leute, die nicht einmal 12 Monate durchhalten.“

Zudem ist der anstrengende Job schlecht bezahlt. Vollzeitbeschäftigte (40 Wochenstunden) bekommen ein Bruttogehalt von rund 1.300 Euro monatlich, davon bleiben netto 1.000 Euro übrig. In der Regel werden Call Center-Beschäftigte nach dem Kollektivvertrag für das allgemeine Gewerbe entlohnt. Demnach werden TelefonistInnen der Telekom-Branche beispielsweise schlechter bezahlt als nach dem Telekom-KV. Diese so genannte „KV-Flucht“ lohne sich für die Unternehmen, nicht aber für die MitarbeiterInnen, so Jürgen Leister.

TrainerInnen

Gut für TrainerInnen in privaten Seit Oktober 2010 sind private Bildungseinrichtungen verpflichtet, den BABE-Kollektivvertrag anzuwenden.Seit Oktober 2010 sind private Bildungseinrichtungen verpflichtet, den BABE-Kollektivvertrag anzuwenden.Seit Oktober 2010 sind private Bildungseinrichtungen verpflichtet, den BABE-Kollektivvertrag anzuwenden.Bildungseinrichtungen ist, dass letztere seit Herbst des Vorjahres verpflichtet sind, den „BABE-KV“, den Kollektivvertrag der „ Berufsvereinigung der Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen privater BildungseinrichtungenBerufsvereinigung der Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen privater Bildungseinrichtungen“, anzuwenden. Er gilt für rund 12.000 ArbeitnehmerInnen in mehr als 500 Schulungseinrichtungen und Trainingsinstituten – also auch dort, wo zum Beispiel Arbeitslose Schulungen oder MigrantInnen Deutschkurse absolvieren. Vor der Anstellungspflicht unterrichteten die TrainerInnen – überwiegend AkademikerInnen – meist als freie DienstnehmerInnen und zu Dumpingpreisen. Denn die Institute bewerben sich mit einem Pool an TrainerInnen um die Kurse, dürfen in diesem (wirtschaftlichen) Wettbewerb aber nicht zu teuer sein. Und die Erwachsenenbildung zählt zu den Gewinnern der Wirtschaftskrise.

„Das ist ganz wichtig, dass jetzt auch die TrainerInnen angestellt sind und dass sie Anspruch auf die Sozialversicherung, die Arbeitslosenversicherung und die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall haben. Denn viele leben ausschließlich von dieser Tätigkeit“, erklärt Gudrun Konrad von der Volkshochschule (VHS) in Wien Ottakring. Die Anstellungspflicht sieht sie als ersten richtigen Schritt. Doch die Umsetzung und insbesondere die Bezahlung müsse man noch verbessern. Dass etwa die Vorbereitung und Nachbereitung des Unterrichts in größerem Ausmaß in der Arbeitszeit berücksichtigt werden müsse, sei nicht allen Unternehmen klar. Laut Kollektivvertrag haben die TrainerInnen etwa auch Anspruch auf Supervision, das Ausmaß ist aber nicht genau definiert. Hier appelliert Gudrun Konrad an die Leiter der privaten Bildungseinrichtungen: „Sie sollten darauf achten, dass die ArbeitnehmerInnen nicht ausbrennen und dass die Rahmenbedingungen stimmen. Die Bildungsverantwortlichen selbst sollten die Qualität der Bildung im Auge haben.“ Aufgrund des Wettbewerbsdrucks, wer den Zuschlag für Kurse im Auftrag der öffentlichen Hand bekommt, ist das offenbar nicht immer der Fall. Hinzu kommt, dass im Bildungsbereich mehrheitlich Frauen arbeiten und der Anteil an Alleinerzieherinnen hoch ist.

Frauenberufe

Ebenfalls hauptsächlich Frauen arbeiten in den Call Centern. Oft handelt es sich um ältere ArbeitnehmerInnen, die kurz vor der Pension gekündigt wurden, SchulabbrecherInnen, MigrantInnen und auch Studierende. Zu 60 bis 70 Prozent sind es Frauen, die einen derartigen „Psychojob, sehr streng überwacht und mit mäßigem Verdienst“, übernehmen, so Jürgen Leister.

Warum tendenziell mehr Frauen solche Jobs akzeptieren, erklärt Andrea Schober von der GPA-djp so: Wer in einem Call Center anfängt glaubt oft, dies sei nun ein Übergangsjob, daher will man nicht viel Zeit in den Arbeitskampf investieren. Ganz anders sieht es bei den TrainerInnen aus, sie machen ihre Arbeit oft mit großem Engagement und Liebe zum Beruf – und nehmen daher schlechte Bedingungen in Kauf.

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Sie haben einen freien Dienstvertrag, einen Werkvertrag oder einen Gewerbeschein ohne eigenen Angestellten? In der Interessengemeinschaft work@flex organisieren und vernetzen sich Menschen, die in wenig regulierten Vertragsverhältnissen arbeiten. Für Nicht-Mitglieder bietet die GPA-djp eine kostenlose Erstberatung an. Mehr dazu auf www.gpa-djp.at/interesse

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