Eva Maria Bachinger, Martin Schenk: Die Integrationslüge.

Integrationslüge (c) Deuticke Verlag

Integrationslüge (c) Deuticke Verlag

Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie und Mitbegründer des Ani-Armut-Netzwerks „Die Armutskonferenz“, und die Journalistin Eva-Maria Bachinger prangern in ihrem Buch „Die Integrationslüge“ die Art und Weise an, wie im deutschsprachigen Raum öffentlich über das Thema Zuwanderung und Menschen mit Migrationshintergrund debattiert wird. Ihre These: man diskutiert über Integration – und geht damit den dringlichen Fragen des gesellschaftlichen Lebens aus dem Weg.

Denn hinter den Konflikten, die es in der Bevölkerung heute gebe, stecke nicht das Aufeinandertreffen von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, sondern für Zündstoff sorgten vielmehr Unterschiede in Bildung, dem Zugang zur Gesundheitsversorgung und zum Arbeitsmarkt. Fazit: nicht die Herkunft entscheidet über den Erfolg oder Misserfolg bei der Integration in die Mehrheitsgesellschaft, sondern Bildung – und auch Geld. „Integration ist immer auch eine Frage sozialer Rangordnung“, so der Befund von Bachinger und Schenk.

Doch wie kommt man zu Bildung – und damit auch zu einem besseren Verdienst und einer sicheren Zukunft? Positiv und zugleich traurige Ausgangslage ist: alle Kinder haben eine äußerst positive Einstellung zum Lernen. Warum das traurig ist? Schule, wie sie heute organisiert ist, gewöhne manchen Kindern diesen positiven Zugang rasch ab, liest man in dem Buch. Wer über keine guten Deutschkenntnisse verfügt, werde oft auch als minderbegabt gesehen. So werden, wie die Autoren schreiben, in Wien 1,6 Mal so viele türkischsprachige wie deutschsprachige Schüler als sonderpädagogisch bedürftig eingestuft, in Niederösterreich sind es 2,9 Mal so viele. Das bedeutet: Sonderschule.

 Es sind Beispiele wie dieses, die einen aufhorchen lassen. Und aufrütteln, nach den wahren aktuellen gesellschaftspolitischen Fragestellungen zu suchen. Unaufgeregt und zielorientiert: damit es allen gut geht.

Eva Maria Bachinger/Martin Schenk: Die Integrationslüge. Antworten in einer hysterisch geführten Auseinandersetzung. Deuticke Verlag, 2012. 18,40 Euro

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