Mehr als nur ein Flughafen

Flughafen Wien Schwechat (c) Karl Schöndorfer/picturedesk.com

Flughafen Wien Schwechat (c) Karl Schöndorfer/picturedesk.com

Die Austrian Airlines kommt nicht zur Ruhe: Harten Sparvorgaben der Unternehmensführung stehen langfristige Pläne zur Standortsicherung der Gewerkschaft gegenüber.

Die deutsche Lufthansa, seit September 2009 Eigentümerin der AUA, gibt harte Sparziele vor: In den nächsten Jahren sollen weitere 45 Millionen Euro beim Bodenpersonal der defizitären Airline eingespart werden. Bei Abfertigungen und Zuschlägen soll ebenso gekürzt werden wie beim betrieblichen Pensionssystem. Durch den Sparkurs soll das Unternehmen wieder in die Gewinnzone geführt werden. Denn die AUA flog auch 2011 wieder in die roten Zahlen. 

Für AUA Bodenbetriebsratschef Alf Junghans ist eine Fluglinie allerdings nicht primär über Einsparungen beim Personal konsolidierbar: „Das kommt mir vor, wie wenn man bei einem Auto den Motor wegsparen will“, veranschaulicht Junghans. Es gäbe viele Schrauben und Rädchen, wo langfristig gezielt umstrukturiert und gespart werden könnte. Auch im Mutterkonzern selbst sind die Personalkosten nicht der alleinige Ansatzpunkt: dort sind die Kosten für das Personal um fast 20 Prozent höher.

 Bodenpersonal massiv belastet

Das Bodenpersonal der AUA hat bereits kräftig beim Konsolidieren geholfen. Seit 2010 läuft ein Sparprojekt, bei dem ein Gehaltsverzicht von fünf Prozent über eine Laufzeit von fünf Jahren vereinbart wurde. Das soll insgesamt 150 Mio. Euro bringen. Darüber hinaus wurde für das Bodenpersonal bei der letzten KV-Runde bereits eine gestaffelte Inflationsabgeltung vereinbart. Seit 2009 gab es 1.500 Kündigungen. „Das Bodenpersonal hat in den vergangenen Jahren bereits große Einkommenseinbußen hinnehmen müssen – ich sehe keinen Spielraum für weitere Belastungen“, meint Junghans.               

Bei der anstehenden Neuverhandlung des Kollektivvertrages setzt Junghans auf strukturelle Veränderungen durch eine attraktive und zeitgemäße Gehaltsstruktur für Neueintritte: „Die Gehälter sollen zu Beginn der Berufslaufbahn stärker steigen als bisher – später wird die Kurve flacher. Das entspricht der Lebensrealität, denn das meiste Geld benötigen junge Leute heute in der Phase der Familiengründung, wenn Auto, Wohnung und Hausrat angeschafft werden müssen.“ Durch gleichmäßige Biennalsprünge soll auch die Attraktivität für Übertritte von „Altpersonal“ in den neuen KV gesteigert werden. „Wir wollen ein Arbeitsumfeld bieten, in dem die Menschen gerne ihrer Tätigkeit nachgehen und für qualitativ hochwertige Arbeit auch eine entsprechende finanzielle Honorierung bekommen“, so der Betriebsratsvorsitzende. 

Druck aus den KV-Verhandlungen nehmen

Die GPA-djp verhandelt schon seit November konstruktiv mit der Geschäftsführung der AUA über einen neuen Kollektivvertrag für das nicht-fliegende Personal. Junghans kann den aktuellen Druck nicht nachvollziehen: „Um nachhaltige und konzentrierte Verhandlungen zu ermöglichen, wird der bestehende KV bis Ende 2013 verlängert. Hier sind 70 verschiedene Berufsgruppen betroffen, wir arbeiten zielorientiert und haben eine gute Gesprächsbasis zur Geschäftsführung. Medialer Druck ist kontraproduktiv und bringt höchstens die Börsen in Turbulenzen.“ Von dem angedrohten Betriebsübergang zur AUA-Tochter Tyrolean hält Junghans wenig: „Die Tyrolean alleine arbeitet nicht günstiger – derzeit wird die gemeinsame Infrastruktur genutzt.“

Standort stärken

Zur Stärkung der AUA hält Junghans eine seit langem angekündigte Kapitalspritze seitens des Mutter-Konzerns Lufthansa sowie eine durchdachte Standortpolitik für notwendig: „Wien-Schwechat kann in der jetzigen Dimension nur bestehen, wenn die AUA von hier auch gewinnbringende Destinationen, beispielsweise in Mittel- und Osteuropa anfliegen darf.“ Abgesehen von der symbolischen Bedeutung eines gut funktionierenden Flugplatzes am Rande der Millionen Stadt Wien sieht Junghans auch die Verantwortung bei der Lufthansa, in ihre Töchter zu investieren und Standorte langfristig zu festigen.

Wirtschaftsraum Wien-Schwechat

Von der aktuellen Krise ist der gesamte Wirtschaftsraum Wien-Schwechat mit seinen jährlich mehr als 20 Millionen Passagieren betroffen. „Ein Aushungern der AUA kann unzählige Arbeitsplätze am Flughafen und auch in der gesamten Region gefährden. Viele Klein- und Mittelbetriebe im Umland existieren als Nahversorger, Zulieferer oder Dienstleister rund um den Flughafenbetrieb“, umreißt Manfred Biegler, Betriebsratsvorsitzender der Angestellten des Flughafen Wiens, die Tragweite des Konfliktes.

Biegler hät es für wichtig, dass der Standort Wien-Schwechat als Drehkreuz nach Mittel- und Osteuropa erhalten bleibt. „Der Flughafen funktioniert wie eine Stadt, er ist ein wichtiger Umschlagplatz mit eigener Infrastruktur, Müllabfuhr und verschiedensten Mietern. Am Gelände sind Zoll, Exekutive, Speditionen sowie zahlreiche andere Firmen angesiedelt. Alleine die börsennotierte Flughafen Wien AG beschäftigt rund 4.500 ArbeiterInnen und Angestellte, die mit dem operativen Flughafenbetrieb, den Bodenabfertigungsdiensten sowie den Bereichen Sicherheit und Infrastruktur befasst sind.

Mindestens 20.000 Menschen sind direkt am Flughafen beschäftigt, nochmals ebenso viele im Umland, wo verstärkt Betriebsansiedelungen stattfinden. „Eine Schwächung des Standortes Schwechat würde die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Ostregion bremsen“, ist Biegler überzeugt.