dayli: Perspektiven für die Beschäftigten

Schlecker Österreich in anderem Stil fortzuführen ist aufgrund gravierender Führungsfehler nicht gelungen. Die KOMPETENZ sprach mit GPA-djp-Handelsexperten Manfred Wolf.

KOMPETENZ: Die Zukunft von dayli sah länger düster aus. Mitte August kam das endgültige Aus. Rudolf Haberleitner wollte die frühere Drogeriemarktkette Schlecker mit einem neuen Konzept in Österreich weiterführen. Wie beurteilen Sie seine Geschäftspolitik?
Manfred Wolf: Vernichtend. Haberleitner hat eigentlich kein Konzept gehabt, außer dass er am Sonntag aufsperrt. Und das ist im Handel kein Konzept. Er hat wesentliche Elemente, die für einen ordentlichen Geschäftsbetrieb wichtig sind, völlig außer Acht gelassen, wie die Warenbeschaffung oder den Aufbau einer EDV. Stattdessen hat er sich nur einen Fight mit der Gewerkschaft geliefert wegen der Sonntagsöffnung.

KOMPETENZ: Sollten das andere Wirtschaftstreibende als Wink verstehen, das Thema Sonntagsöffnung nicht mehr anzugreifen?
Wolf: Bei der Sonntagsöffnung ist mit uns nicht zu spaßen. Wir stehen hier den Beschäftigten im Wort. Sie wollen die Sonntagsarbeit nicht. Deswegen sind sie auch in den Handel gegangen und zum Beispiel nicht in die Gastronomie. Jeder der meint, er muss sein Geschäftskonzept auf illegalen Praktiken aufbauen, und das Offenhalten am Sonntag ist eine solche, muss mit Schwierigkeiten rechnen. Herrn Haberleitner haben wir das auch von Anfang an gesagt: Wir stehen der Übernahme positiv gegenüber, aber bei der Sonntagsarbeit ist nicht mit uns zu reden. Das hat er gewusst. Und er hat bewusst auf Provokation gesetzt.

KOMPETENZ: Wo ist Haberleitners Konzept noch schief gelaufen?
Wolf: Es waren nie genug Waren da. Er konnte auch Waren, die bei den Kunden von Schlecker anerkannt waren, nicht halten. Es gab da Eigenmarken, die durchaus von guter Qualität waren, und die inzwischen aus den Regalen verschwunden sind. Es hat auch permanent Klagen von Beschäftigten gegeben, dass sie mehr Waren bestellen als sie bekommen. Es war sehr schwierig, einen ordentlichen Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Die Tatsache, dass Schlecker seine EDV-Dienstleistungen eingestellt hat und es im Nachhinein nicht gelungen ist, für dayli eine eigene Logistik und EDV aufzubauen, war ein schwerwiegender Fehler.

KOMPETENZ: Übernimmt man, wenn man einen Betrieb weiterführt, normalerweise nicht die gesamte Infrastruktur?
Wolf: Schlecker Österreich war bilanztechnisch ein gesundes Unternehmen. Schlecker Österreich war logistisch aber sehr stark von Schlecker Deutschland abhängig. Es gab keine dezentrale EDV und auch keinen dezentralen Einkauf. Es wäre also die erste Aufgabe gewesen, sich hier etwas zu überlegen.

KOMPETENZ: Die Kündigung von 1.261 Beschäftigten war im Juli bereits beschlossene Sache. Wie geht es mit den restlichen Angestellten weiter?
Wolf: Es entscheidet sich derzeit das Schicksal von rund 3.300 Menschen. Zur Sicherheit wurden per Ende Juli alle verbleibenden Angestellten beim Arbeitsmarktservice angemeldet. Diese Maßnahme musste der Masseverwalter ergreifen, weil zu diesem Zeitpunkt nicht sicher war, ob es gelingt, das Unternehmen weiterzuführen. Wir werden erst in einigen Wochen völlige Klarheit darüber haben, ob und wie es für die einzelnen MitarbeiterInnen weitergehen wird.

KOMPETENZ: Was konnte die GPA-djp für jene MitarbeiterInnen, die bereits gekündigt wurden, erreichen?
Wolf: Dass es ein geordnetes Sanierungsverfahren gibt – das war ja auch sehr lange nicht klar. Wir haben sofort Kontakt mit dem AK Insolvenzbüro hergestellt und unsere Kontakte im Handel genutzt, um eine bevorzugte Übernahme von Beschäftigten durch andere Handelsunternehmen sicherzustellen. Der zweite Punkt ist: Sollte es weitergehen, muss man schauen, ob einige, die jetzt auf der Kündigungsliste stehen, doch die Möglichkeit haben, weiterzuarbeiten.

KOMPETENZ: Wie gestaltet sich jetzt die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat?
Wolf: Durch den personellen Wechsel an der Spitze des Betriebsrates hat sich die Zusammenarbeit wesentlich gebessert, und die Beschäftigten haben jetzt eine aktive und konstruktive Interessenvertretung im Betrieb, was besonders in dieser Situation sehr wichtig ist. Kollegin Pronegg ist eine wichtige Stütze für die Beschäftigten.

KOMPETENZ: Gab es weitere Punkte, in denen die GPA-djp eine Schadensbegrenzung erreichen konnte?
Wolf: Wir arbeiten mit dem Arbeitsmarktservice zusammen, um eine gute Betreuung für jene Menschen zu gewährleisten, die nicht von anderen Handelsketten übernommen werden können. Im Rahmen von Arbeitsstiftungen kann es auch Nachqualifizierungen geben. Ziel ist eine bessere Vermittelbarkeit am Arbeitsmarkt. Die Mehrzahl der dayli- Beschäftigten sind nur angelernte Kräfte, und das, obwohl es hier viele Langzeitbeschäftigte gibt.

KOMPETENZ: Hat die Gewerkschaft zur Sicherung der Arbeitsplätze genug getan?
Wolf: Wir haben hart für die Interessen und Arbeitsplätze der Beschäftigten von dayli gekämpft und einiges erreicht. Herr Haberleitner hat es so dargestellt, dass die Gewerkschaft die Beschäftigten bekämpft. Das haben wir aber natürlich nie getan. Um zu zeigen, wie wichtig uns die Arbeitsplätze bei dayli waren, sind wir mit der damaligen Betriebsratsspitze 2012 nach Ehingen zum Ausgleichsverwalter Arndt Geiwitz gefahren. Wir wollten ihn überzeugen, einen Investor zu suchen, eben weil Schlecker Österreich lebensfähig war. Das war die Leistung der Beschäftigten und sie verdienten eine faire Chance, dass ihr Arbeitsplatz langfristig erhalten bleibt. Diese Chance hat Herr Haberleitner grandios verspielt.

Mehr Infos unter: www.gpa-djp.at/dayli