Betriebsrat: Unterstützung mit Rat und Tat

BetriebsrätInnen unterstützen und stärken die Belegschaft. Rat und Expertise bei kniffligen Sachfragen bekommen sie direkt bei der GPA-djp: in Schulungen und durch zahlreiche AnsprechpartnerInnen innerhalb der Gewerkschaft. Das war auch Thema einer bundesweiten Aktionswoche im November.

BetriebsrätInnen haben eine verantwortungsvolle Aufgabe: Sie sind das Sprachrohr der Beschäftigten zur Geschäftsführung und stehen den MitarbeiterInnen bei Veränderungen und auch sozialen Problemen mit fachkundigem Rat und Tat zur Seite. Ihr soziales Engagement im Betrieb beschert ihnen laufend neue Aufgaben, die es zu meistern gilt. Betriebsräte und Betriebsrätinnen, die Mitglied einer Gewerkschaft sind, stellen sich diesen Herausforderungen mit einem breiten Netzwerk im Rücken. Denn die enge Kooperation mit der GPA-djp bringt den BelegschaftsvertreterInnen die Möglichkeit, sich selbst umfassend weiterzubilden.

Viele bedeutende Verbesserungen für ArbeitnehmerInnen haben als Erfahrungen und Ideen von BetriebsrätInnen begonnen und wurden schließlich als Forderungen der Gewerkschaft durchgesetzt. Über 90 % aller BetriebsrätInnen in Österreich sind bereits bei der Gewerkschaft. Rund 16.000 BetriebsrätInnen sind in der GPA-djp organisiert. Dafür gibt es viele unterschiedliche Beweggründe: 

Auf Augenhöhe mit der Geschäftsführung
Julia Konecny (30) will in ihrer Funktion dazu beitragen, den sozialen Zusammenhalt im Unternehmen zu stärken. Sie ist seit zwei Jahren aktives Mitglied des Betriebsrates im Verbund Konzern. „Wir hören zu, wo der Schuh drückt und verfolgen die Interessen der Beschäftigten weiter. Durch unseren direkten Draht zum Vorstand bekommen die Anliegen der MitarbeiterInnen dort breiteren Raum“. Die Vorteile eines starken Betriebsrates liegen für Konecny auch für den Vorstand klar auf der Hand: Im Betriebsrat hat er einen unmittelbaren Ansprechpartner, der die Wünsche und Bedürfnisse der Belegschaft zu ihm transportiert.

Ihre größte Stärke sieht die junge Betriebsrätin dann auch in der Fähigkeit zur direkten Kommunikation mit den Führungskräften – und zwar auf Augenhöhe: „In schwierigen Zeiten kommen die MitarbeiterInnen mit sehr vielfältigen Gerüchten und Fragen zu mir. Als Betriebsrätin kann ich mir rasch Informationen beschaff en und dadurch sehr schnell gewisse Ängste ausräumen. Eine aufgeschaukelte Situation beruhigt sich oft schon dann, wenn einfach nur die korrekten Informationen weitergegeben werden“.

Betriebsratsarbeit ist wichtig
Viele notwendige Veränderungen und Umstellungen verlaufen mit betriebsrätlicher Begleitung reibungsloser als ohne gewerkschaftliche Unterstützung. Das weiß auch Marianne Schiel. Die 29-Jährige vertritt seit rund sechs Jahren insgesamt 238 Beschäftigte der „Wiener Sozialdienste Förderung und Begleitung“ als aktive Betriebsrätin. „In unserem Betrieb arbeiten besonders viele Frauen – die meisten sind teilzeitbeschäftigt, da sie am Nachmittag ihre Kinder betreuen.“ Diese besonderen Interessen gilt es durch die betriebsrätliche Arbeit zu vertreten. „Ich setze mich gemeinsam mit der GPA-djp für faire Arbeitsbedingungen und anständige Gehälter für teilzeitbeschäftigte Frauen ein“, so Schiel.

Leider nutzen viel Unternehmen kinderbedingte Auszeiten von Müttern dazu, die Arbeitnehmerinnen beim Wiedereinstieg in schlecht bezahlte Aufgabenbereiche abzuschieben, wo es auch kaum Aufstiegschancen gibt. Doch junge Mütter dürfen keine Existenzängste entwickeln. Gemeinsam mit dem gesamten Betriebsratsgremium achtet Schiel daher besonders auf die Einstufungen der WiedereinsteigerInnen: „Wenn die Leistung stimmt, sind die Menschen auch bereit mehr an Entgelt einzufordern. Und das geht mit einer starken betrieblichen Vertretung natürlich besser.“ Sehr oft geht es aber auch um konkrete Arbeitsbedingungen, die MitarbeiterInnen belasten oder behindern. In derartigen Fällen werden Gespräche zwischen Geschäftsführung und Betroffenen von der Betriebsrätin begleitet.

Mit einem fachkundigen Unterstützer zur Seite gehen MitarbeiterInnen meist sicherer und ruhiger in derartige Gespräche und können für sich selbst optimalere Ergebnisse herausholen. Aktive BetriebsrätInnen haben das Recht, ihre betriebsrätlichen Tätigkeiten während der normalen Arbeitszeit auszuüben. Pro Jahr haben sie Anspruch auf eine bezahlte Bildungsfreistellung im Ausmaß von drei Wochen.

Lieber mit als ohne Betriebsrat
Helmut Dollinger (51) ist seit 12 Jahren als Betriebsrat von Magna Steyr tätig. Seine Triebfeder war und ist, sich für die rund 2.000 KollegInnen einzusetzen und etwas zu bewegen. Als größte Herausforderung beurteilt er dabei notwendige Umstrukturierungen: „Hier werden wir als Betriebsräte am meisten gebraucht. Bei Veränderungen und Neuorganisationen ist die Verunsicherung unter den MitarbeiterInnen erfahrungsgemäß immer am größten.“ Viele haben Angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren, eine minder qualifizierte Tätigkeit verrichten zu müssen oder grobe Gehaltseinbußen zu erleiden. „Dann sind wir nahe an den Menschen, informieren, begleiten und unterstützen mit Rat und Tat.“

„Es ist nicht immer selbstverständlich, dass alle Rechte der MitarbeiterInnen, die in Gesetzen oder Kollektivverträgen festgelegt sind, in den Betrieben dann auch umgesetzt werden. Dafür gibt es uns Betriebsräte“, so Dollinger, der seit drei Jahren stellvertretender Betriebsratsvorsitzender ist und diese Kontrollfunktion auch gerne ausübt. Nicht immer kann Dollinger die vielfältigen sozialen oder rechtlichen Problemen und Anliegen seiner KollegInnen sofort lösen. Aber er nimmt sich ihrer Probleme an. Wenn er bei heiklen Fragen und komplizierten Betriebsvereinbarungen nicht mehr weiter weiß, dann erhält er fachliche Unterstützung und Auskunft bei den ExpertInnen der GPA-djp. „Ich habe das Gefühl, sehr vieles für unsere KollegInnen bewegen zu können und das gibt mir Kraft und Mut“.

Gewerkschaft unterstützt
Thom Kinberger (40) vertritt als Vorsitzender des Betriebsrates der Stiegl Unternehmensgruppe die Interessen von rund 750 MitarbeiterInnen an neun Standorten in ganz Österreich. Kinberger ist es ein Anliegen, das Machtverhältnis zwischen Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen auf betrieblicher Ebene auszugleichen. Er ist selbst regelmäßig auch in die Verhandlungen verschiedener Kollektivverträge für seine Branche mit eingebunden: „Starke Kollektivverträge müssen wir uns zunächst einmal erkämpfen, bevor sie dann auch bei den Menschen ankommen und im Betrieb umgesetzt werden können.“

Kollektivverträge in der derzeitigen Qualität wären für Kinberger ohne Gewerkschaften nicht möglich. Denn nur durch die intensive Einbindung der Betriebsräte in den Verhandlungsprozess fließt die betriebliche Praxis mit ein und macht realistische und zufriedenstellende Abschlüsse erst möglich. Kinberger selbst definiert sich als modernen Berater und Vermittler, denn immer dort, wo sich im Betrieb was tut, wo sich Strukturen oder Anforderungen verändern – dort wird er gebraucht. Kinberger begleitet und unterstützt. Er sucht wie viele seiner BetriebsratskollegInnen nach individuellen Lösungen im Arbeitsalltag der Beschäftigten. Sein Rezept? Die KollegInnen mit Ihren Anliegen ernst nehmen und sie auf rechtlicher, sozialer und menschlicher Ebene begleiten.

Gemeinsam mehr erreichen
Peter Gattinger (37) ist seit sechs Jahren im Betriebsrat der Uniqa tätig – seit einem Jahr als Vorsitzender. Nach 12 Jahren Tätigkeit als Einzelkämpfer im Vertrieb genießt er es nun, gemeinsam mehr zu erreichen – und zwar für alle MitarbeiterInnen im Betrieb. Er vertritt die Interessen von rund 600 Menschen und da kommt schon ein breites Spektrum an Anliegen, Wünschen, Kritik und Fragen zusammen. Doch Gattinger sieht das positiv: „Ich bin in der glücklichen Lage, dass die KollegInnen mit kleinen und großen Problemen zu mir kommen – hier gibt es keine Tabus“. Die Gespräche mit den MitarbeiterInnen folgen dabei keinem starren Schema. „Mal kommt man beim Mittagessen eher zufällig auf einen Problembereich zu sprechen, mal kommt eine ganze Gruppe von Beschäftigten mit einem konkreten Anliegen zu mir“ beschreibt Gattinger kurzfristige aber auch langfristige Anliegen. Er versucht seiner arbeitsrechtlichen und sozialen Verantwortung gerecht zu werden: „Nicht jeder Konflikt muss mit der Geschäftsführung ausgetragen werden. Ein klärendes und informierendes Gespräch ist in manchen Fällen zielführender als eine unnotwendige Konfrontation“.

Um gut und lösungsorientiert arbeiten zu können braucht ein Betriebsrat allerdings den Rückhalt seiner KollegInnen. Denn der Ton wird rauer. Je mehr Gewerkschaftsmitglieder ein Betrieb hat, desto stärker und gewichtiger vermag ein Betriebsrat gegenüber der Geschäftsführung zu agieren.

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