Fly for Niki – work for Niki!

(c) Nurith Wagner-Strauss

Mischa Osterberger und Verena Schallgruber vom BR-Team bei Niki

Wie man in einem Betrieb, in dem die meisten Beschäftigten LeiharbeiterInnen sind, einen Betriebsrat gründet und einen gemeinsamen Kollektivvertrag erkämpft.

Manche Geschichten haben ein echtes Happy End. Auch wenn es am Anfang so aussieht wie der Kampf Davids gegen Goliath: Wenn nämlich in einem Betrieb mit rund 870 Beschäftigten 700 davon LeiharbeiterInnen sind und es außerdem keinen Betriebsrat gibt, so scheint es kein sehr aussichtsreiches Unterfangen, wenn man die Arbeitsbedingungen verbessern möchte. Verena Schallgruber und Mischa Osterberger von der Fluglinie Niki (ehem. Fly Niki) haben die Herausforderung angenommen – und gewonnen!

Schallgruber und Osterberger sind mittlerweile Betriebsräte und vertreten zusammen mit ihrem Team alle Beschäftigten bei Niki – denn mit der Arbeitskräfteüberlassung ist es dank ihrer unermüdlichen Arbeit nun vorbei. „Am Anfang haben uns alle für verrückt erklärt, als wir den Kampf gegen die Zustände in der Firma aufnahmen“, erzählen die beiden, „Es war ein langer Weg, doch wir haben’s geschafft!“

Leiharbeit

Bei der Belegschaft war das Konstrukt mit dem Personaldienstleister, der die Mehrheit der Beschäftigten stellte, lange Zeit akzeptiert, da es anfangs keine allzu offensichtlichen Nachteile zu geben schien. LeiharbeiterInnen sollten eigentlich helfen, den Bedarf bei kurzfristigen Arbeitsspitzen zu decken. „Sie sollten aber nicht 80 Prozent der Beschäftigten in einem Betrieb stellen, wo sehr spezielle Fähigkeiten und Kenntnisse erwartet werden“, meint Schallgruber. In so einem Fall handelt es sich einfach um Umgehungsverträge des Arbeitsgebers, zu dessen Vorteil. So wollte man auch die Gründung eines Betriebsrates verhindern.

Im Laufe der Jahre wurden die Nachteile spürbar: „Die Probleme begannen im zwischenmenschlichen Bereich“, erinnert sich Schallgruber. Es gab kein Entgegenkommen der Firmenleitung damals, die MitarbeiterInnen litten unter mangelnder Wertschätzung gepaart mit steigendem Arbeitsdruck. Gekämpft werden musste auch um selbstverständliche Dinge wie Essen an Bord für die Crew-Mitglieder.

Betriebsratsgründung

Noch dazu konnte man bei den anderen Airlines beobachten, wie es dort besser lief. Sowohl die AUA, als alteingesessene Fluglinie, hatte natürlich einen Betriebsrat, aber auch die Schwesternairline Air Berlin war gut organisiert. „Man sah ja, wie für das Flugzeug, das neben dem eigenen am Boden stand, Crew-Essen geliefert wurde – und selbst musste man sich oft außerhalb der Ladenöffnungszeiten irgendwie das Essen organisieren“, erzählt Schallgruber.

Das Essen für die Crew konnte schließlich durchgesetzt werden. Trotzdem machte sich das Gefühl breit, dass der Handlungsbedarf dringlicher wurde. „Ich dachte damals: Entweder wir tun was, oder wir suchen uns neue Jobs“, berichtet Schallgruber. Und stellte zusammen mit einer Gruppe von KollegInnen 2012 eine Betriebsratswahl auf die Beine.

Was keine leichte Sache war, denn: Wie kann man einen Betriebsrat wählen, wenn die Beschäftigten in zwei verschiedenen Firmen angestellt sind? Zusammen mit den JuristInnen von der GPA-djp tüftelte man daher eine Wahl aus, bei der am gleichen Tag in beiden Firmen die gleichen BelegschaftsvertreterInnen gewählt wurden. „So haben wir es geschafft, das Konstrukt mit dem Personaldienstleister zu umgehen“, erklärt Osterberger.

„KV statt Supergau“

Auf den frisch gegründeten Betriebsrat wartete eine große Herausforderung. Ziel war es, nicht nur die Arbeitsbedingungen insgesamt zu verbessern, sondern vor allem die LeiharbeiterInnen in die Firma zu holen. Mit Unterstützung der GPA-djp startete man daher eine große Kampagne mit dem Slogan „KV statt Supergau“. Die Deadline war der 1. Oktober 2014, 90 Tage vorher wurde ein Countdown gestartet. Neben einer Plakatkampagne und Flyern gab es auch eine Homepage und zahlreiche Give-Aways.

„Anfangs verrieten wir nicht, was wir genau vorhatten, es sollte spannend sein, auch der Geschäftsführung gegenüber“, berichtet Schallgruber. „Wir brachten möglichst viele Give-aways unter die Leute, damit es gut sichtbar wurde, dass sich da was zusammenbraute. Zum Beispiel haben wir von einem Tag zum andern alle Kaffeetassen im Betrieb gegen solche mit dem KV-statt-Supergau-Slogan ausgetauscht. Die neuen Tassen sorgten beim Frühstückskaffee für Furore! Und die Geschäftsführung sah das natürlich.“

Schallgruber und Osterberger erinnern sich mit Stolz an die Kampagne. Auch wenn es damals viel Stress gab und man sich bewusst war, dass man ein Risiko einging. Im Betriebsratsbüro hängen immer noch die Kampagnenposter, die Flugbegleiterinnen zeigen, die den Müll im Flugzeug beseitigen – was leider Standard ist. Darunter der Slogan „fly for Niki – work for Niki“. Osterberger: „Die Leute waren motiviert, mitzumachen. Es lag einfach zu vieles im Argen!“

Der Druck auf die Geschäftsführung wuchs. Während des 90-tägigen Countdowns organisierten die BetriebsrätInnen immer wieder Aktionen und Info-Veranstaltungen. Aus Solidarität trugen alle KollegInnen Schlüsselbänder mit Kampagnen-Slogans drauf.

Betriebs-KV seit Oktober

Der große Tag war schließlich dann schon der 29. September. „Wir hatten einen Plan B, für den Notfall“, erinnert sich Schallgruber, „aber der war zum Glück nicht notwendig. Denn die Geschäftsführung hat den Kollektivvertrag unterschrieben, alles ging gut.“ Am Morgen des 29. drängten sich alle Beschäftigten zur Betriebsversammlung, die Solidarität und die Motivation waren unheimlich stark. „Es war ein wahnsinnig gutes Gefühl“, sind Schallgruber und Osterberger sich einig, „wir hatten alle gemeinsam erreicht, wofür wir gekämpft hatten, es hatte sich gelohnt!“

Die Fluglinie Niki hatte mit 1. Oktober 2014 einen Betriebskollektivvertrag und mit 1. Jänner 2015 kam die Fixanstellung aller AbrbeitnehmerInnen dazu. Die Zeiten der Arbeitskräfteüberlassung sind vorüber. Monatelange Arbeit und eine klug durchdachte Kampagne hatten sich bezahlt gemacht. „Die GPA hat uns sehr intensiv unterstützt, nicht nur bei der Kampagnenplanung. Wolfgang Katzian und Karl Proyer haben persönlich mit unserer Geschäftsführung verhandelt, und in den heißen Phasen war das sehr wichtig.“

Und wie geht es jetzt weiter, gibt es ein neues Projekt? „Für 2015 stehen die Neuwahlen des Betriebsrates an“, verrät Osterberger, „wann genau, wissen wir noch nicht. Als nächstes arbeiten wir mal die Strategie aus.“ Das sollte nach einer so erstklassigen Kampagne ja nicht so schwer fallen.

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