Pensionskonto und Pensionslücke

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Die Kontoerstgutschrift ist niedriger als erwartet? Zuerst Nachrechnen ehe man eine groß gerechnete Lücke teuer schließt!

Millionen Menschen haben von der PVA ihre Kontoerstgutschrift erhalten. Diese zeigt ihnen die Höhe ihrer bis Ende 2013 erworbenen Pensionsansprüche. Bei zahlreichen Versicherten ist dieser Wert relativ gering, weil sie noch viele Versicherungsjahre vor sich haben. Da das Pensionskonto für alle ab 1955 geborenen Menschen gilt, wird die Pension aber ganz sicher höher sein, als die Erstgutschrift. Je länger man noch bis zur Pensionierung hat, desto stärker wird die Pension von der aktuellen Kontoerstgutschrift abweichen.

Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens erwirbt man mit jedem Versicherungsjahr einen zusätzlichen Pensionsanspruch. Dieser beträgt 1,78 Prozent des versicherten Einkommens. Wer z.B. 2014 monatlich 2.000 EUR brutto verdient hat, hat damit einen zusätzlichen Pensionsanspruch von 35,6 EUR brutto pro Monat erworben.

Zweitens wird der gesamte bereits erworbene Pensionsanspruch jährlich im Ausmaß der gesamtwirtschaftlichen Lohnsteigerungen erhöht („Aufwertungszahl“). Dies errechnet sich aus der Entwicklung der durchschnittlichen Beitragsgrundlage in der Sozialversicherung.

Wie groß wird die Pensionslücke?

Anbieter von Pensionszusatzvorsorgeprodukten wie Banken, Versicherungen und Vermögensberater bieten nun anhand der Erstkontogutschrift an, die Pensionslücke zu berechnen. Mit dem Begriff „Pensionslücke“ wird die Differenz zwischen der zu erwartenden Pension und dem Letzteinkommen gemeint. Nachdem beide Werte noch nicht feststehen, kann man mit verschiedenen Annahmen eine größere oder kleinere Pensionslücke errechnen.

Wovon hängt die Pensionslücke ab?

Wer erst zum Regelpensionsalter in Pension geht, hat sicher eine kleinere Pensionslücke als jemand, der vorzeitig in Pension geht und für jeden Monat vor dem Regelpensionsalter Abschläge in Kauf nehmen muss.

Wer derzeit Vollzeit arbeitet und auf Teilzeit wechselt, hat ein geringeres Einkommen und erwirbt daher für jedes zusätzliche Versicherungsjahr geringere Ansprüche als bei Fortsetzung der Vollzeitbeschäftigung. Andererseits wird auch das Letzteinkommen geringer sein. Man hat also eine geringere Pensionslücke und eine geringere Pension!

Wer die Beschäftigung verlieren wird, ist zwar weiter pensionsversichert, erwirbt aber in der Arbeitslosigkeit für jedes Versicherungsjahr um 30 Prozent geringere Pensionsansprüche als davor. Es erfolgen Gutschriften in der Höhe von 70 Prozent des Einkommens vor Eintritt der Arbeitslosigkeit. Je länger man arbeitslos bleibt, desto größere Einbußen. Wer seine Arbeit verliert, wird sich aber andererseits sehr schwer tun, laufend für ein Altersvorsorgeprodukt einzuzahlen.

Gute „Verzinsung“

Die Ansprüche am Pensionskonto werden jährlich entsprechend der gesamtwirtschaftlichen Lohn- und Gehaltsentwicklung aufgewertet. In den letzten Jahren entwickelte sich die Aufwertungszahl sehr ähnlich wie die Erhöhung der Kollektivvertragslöhne und –gehälter. Damit war sie deutlich höher als die Preissteigerung. Während die Preise von 1995 bis 2013 um 40 Prozent gestiegen sind, stiegen die KV-Löhne und die Aufwertungszahl um 54 Prozent. Die Pensionsansprüche werden daher nicht nur gegen die Teuerung abgesichert. Man wird mit der jährlichen Aufwertung der Pensionsansprüche am Wohlstandszugewinn beteiligt. Die Aufwertungszahl betrug 1995 bis 2013 durchschnittlich 2,4 Prozent pro Jahr, die Inflation 1,9 Prozent. Die Ansprüche am Pensionskonto werden derzeit auch deutlich besser „verzinst“ als ihre Geldguthaben auf einem Sparbuch!

Groß gerechnete Lücke

Da Prognoserechnungen von vielen Annahmen abhängen, ist das Ergebnis immer einigermaßen „gestaltbar“. Vergleiche zwischen dem AK Pensionsrechner und Online- Pensionslückenrechnern aus dem Banken und Versicherungsbereich haben erwartungsgemäß gezeigt, dass letztere eine höhere Pensionslücke errechnen.

Bei manchen Online-Rechnern wird die Pensionslücke etwa mit folgenden Annahmen „groß“ gerechnet:

Die Pensionsansprüche werden deutlich geringer hochgerechnet als die Einkommen. Das ergibt dann eine deutliche Erhöhung der Pensionslücke! Die öffentliche Pension wird so hochgerechnet, als wenn die Aufwertungszahl immer genau der Preissteigerung entspricht. Wie wir oben gesehen haben, lag die Aufwertungszahl in den letzten Jahren aber deutlich über der Inflationsrate. Würde dieser Effekt berücksichtigt werden, so würde dies die Pensionslücke verkleinern, weil sich eine höhere Pension ergibt. Oder aber die Pensionslücke wird in heutigen Preisen berechnet und dann mit einer hohen Inflationsrate auf den Wert zum Pensionsantritt hochgerechnet.

Wichtig ist: scheinbar kleine Unterschiede in den Annahmen können große Auswirkungen auf die berechnete Pensionslücke haben, wenn noch viele Jahre vor der Pension liegen.

 

Wie wird eine Pensionslücke berechnet?

Es ist Vorsicht geboten, wenn BeraterInnen von privaten Vorsorgeprodukten eine hohe Pensionslücke berechnen und zum Kauf von Vorsorgeprodukten raten. Vergleichen Sie deren Ergebnisse mit dem Pensionsrechner der AK! Diesen finden Sie unter:

http://pensionsrechner.arbeiterkammer.at/

Mit diesem Pensionsrechner kann man sich ein Bild über die zu erwartende Pension machen. Man kann verschiedene Szenarien rechnen und Darstellungen wählen.

Der Rechner zeigt ihnen die zu erwartende Pension in drei Ausprägungen:

–        Heutig: Pension zu heutigen Preisen und Kaufkraft

–        Real: Zeigt die Kaufkraft der Pension in heutigen Preisen. Da die Ansprüche am Pensionskonto mit Lohnentwicklung und nicht der Preisentwicklung valorisiert werden, gewinnt man Kaufkraft.

–        Nominal: Pensionshöhe im Jahr des Pensionsantritts zu den hochgerechneten Werten, also auf Basis der Einkommen und Preise des Pensionsjahres.

–        Karriere: Man kann verschiedene Karrierefaktoren eingeben. Damit kann man simulieren, wie stark das individuelle Einkommen stärker steigt, als das Durchschnittseinkommen.

Ausführlichere Informationen erhalten sie auf der Website der GPA-djp www.gpa-djp.at

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