Kampf um bessere Honorare

Der Journalisten-Kollektivvertrag

Der Journalisten-Kollektivvertrag
regelt auch die Zeichenhonorare
für freie JournalistInnen. Foto: Lucky Business, Fotolia.

In den vergangenen Jahren wurden zwar viele JournalistInnen angestellt, immer noch gibt es aber auch freie Mitarbeiterinnen.

Arno Miller kennt beide Seiten: Viele Jahre war er als Redakteur in verschiedenen Medien beschäftigt, heute ist er hauptberuflich freier Journalist und als solcher auch im Präsidium der Journalistengewerkschaft in der GPA-djp vertreten. Rund 8.000 bis 12.000 JournalistInnen gibt es in Österreich – aufgrund teils hoher Fluktuation, aber eben auch oftmals prekärer Arbeitsverhältnisse gibt es hier keine genaueren Daten. Der Vorsitzende der Journalistengewerkschaft, Franz C. Bauer, geht davon aus, dass mehr als die Hälfte inzwischen als Angestellte/r arbeitet. Das ist das Ergebnis der jüngsten Änderung des Kollektivvertrags, mit dem Pauschalierungen zurückgedrängt und Anstellungen gefördert werden sollten. „Das ist auch gelungen“, so Bauer, wenngleich hier auch ein Preis gezahlt wurde: Bereits angestellte RedakteurInnen mussten ebenfalls Einbußen hinnehmen – nach und nach wird das in diesem Kollektivvertrag früher vorgesehene 15. Monatsgehalt abgeschmolzen. Ziel der Gewerkschaft ist es, dass künftig noch weit mehr Schreibende fest angestellt werden. „Die Tätigkeit des/der Journalisten/-in ist einfach kein Gewerbe“, betont Bauer. „Das ist nichts, was man selbstständig machen kann. Man ist an die Infrastruktur des Verlags gebunden, hat Termine ein- und sich an vorgegebene Längen zu halten. Gestaltungsfreiheit gibt es nur in beschränktem Ausmaß. Und ob ich in der Redaktion oder von zu Hause aus arbeite, ist heute kein Kriterium mehr dafür, ob man angestellt wird oder nicht.“

Derzeit liefern allerdings noch viele JournalistInnen ihre Beiträge auf freier Basis. Da sind zum einen jene, die einen anderen Hauptberuf haben und nur fallweise Texte schreiben. Hier sieht Bauer keinen Änderungsbedarf. Da gibt es zum anderen aber auch jene, die von der Journalistentätigkeit leben. Sie verhandeln ihr Honorar entweder, zum Beispiel bei Magazinen, pro veröffentlichter Seite, oder ihre Beiträge werden – etwa bei Tageszeitungen – nach einem im Tarifb latt zum Journalistenkollektivvertrag festgelegten Zeichenhonorar abgegolten.

Miller gehörte hier zu jenen, die sich in den vergangenen Jahren dafür eingesetzt haben, dass das Zeithonorar, das von den Verlagen weitgehend ignoriert wurde, in das Zeichenhonorar eingerechnet wurde. Das Tarifblatt sieht daher seit dem Vorjahr keinen Richtsatz für die Abgeltung des Zeitaufwandes mehr vor – dafür wurde die Abgeltung für 1.000 veröff entlichte Zeichen in zwei Schritten von früher 25,22 Euro auf nunmehr 35,90 Euro angehoben. Mindestsätze sind rechtlich nicht bindend Auf dem Papier jedenfalls: Denn in der Praxis zahlt kaum ein Verlag den vor mehr als einem Jahr zwischen Gewerkschaft und Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) vereinbarten höheren Betrag tatsächlichaus. Bauer weiß, dass hier der´Schuh mehr als drückt. Die Crux ander Sache: Der Kollektivvertrag ist rechtlich bindend, das für freie Beiträge vereinbarte Zeichenhonorar allerdings nur ein Richtsatz. Nun ist die Gewerkschaft dabei, hier rechtliche Möglichkeiten zu prüfen, wie die Einhaltung dieses Tarifsatzes dennoch gewährleistet werden kann. Und es wird eine außertourliche Gesprächsrunde zwischen Gewerkschaft und VÖZ geben.

Dumping vermeiden

Was Bauer in Richtung aller freien JournalistInnen allerdings betont: „Es muss auch jeder und jede Einzelne kämpfen. Und natürlich ist es für uns als Gewerkschaft schwierig, Tarife durchzusetzen, wenn es KollegInnen gibt, die bereit sind, diese zu unterbieten.“ Das betont auch Miller: „Wer sich auf Honorar- Dumping einlässt, muss sich über die Folgen klar sein. Mit Dumping schade ich zuerst einmal mir selbst, ich schade gleichzeitig aber auch allen Kolleginnen und Kollegen.“ Die Journalistengewerkschaft will hier auch bei den BetriebsrätInnen in den verschiedenen Medienhäusern künftig noch verstärkt Bewusstseinsarbeit leisten.

„FREItag“

Am 8. April wird es zudem erstmals einen „FREItag“ geben: Die GPA-djp lädt hier freie JournalistInnen zu einem Tag mit Veranstaltungen zu den Schwerpunkten Information, Weiterbildung und Vernetzung ein. Miller sieht dies auch als Signal an die Arbeitgeberseite: „Passt auf, wir setzen uns aktiv für die Freien in der Medienlandschaft ein!“ Der Wandel der Branche und die damit verbundenen Probleme sind der Journalistengewerkschaft in der GPA-djp durchaus bewusst. Bauer nennt hier einerseits das Internet, das die wenigsten Verlage noch wirklich als einträgliches Geschäftsmodell nutzen könnten, das aber durch den vielen Gratis-Content die Printbranche unter Druck geraten lasse. Andererseits gibt es Umbrüche auf dem Werbemarkt. Am Ende sitzen jedenfalls alle Schreibenden – ob Angestellte oder Freie – sowie die Verlagshäuser an sich in einem Boot: Printprodukte werden den aktuellen Strukturwandel der Branche nur überleben, wenn sie entsprechende Qualität bieten, ist Bauer überzeugt.

Oft sind es allerdings gerade die Freien, welche „die neuen, die anderen Geschichten“ liefern, weiß Miller aus der Praxis. Die angestellten Redakteurinnen würden mit der Bedienung immer neuer Kanäle, dem Produzieren von Beilagen, mit der Übernahme von Vertretungen bei Krankenständen und Urlauben immer weiter unter Druck gesetzt. „Auch bei ihnen wird ja zu Tode gespart.“ Freie JournalistInnen durchbrechen hier „das Kochen im eigenen Sud und sorgen für ein breiteres Themenspektrum“. Insofern hielte Miller hier auch mehr Solidarität zwischen angestellten und freien Journalistinnen für zielführend. Damit Hand in Hand geht zudem eine gegenseitige Wertschätzung der jeweiligen Arbeit. „Bekommt der Freie ein ansprechendes Honorar, hat der Redakteur wiederum weniger Sorgen“, ist Miller überzeugt.