Geht uns die Arbeit aus?

Menschliche Arbeit wird auch in Zukunft gebraucht

Menschliche Arbeit wird auch in Zukunft gebraucht werden, sie wird nur anders aussehen. Bild: fotogestöber – Fotolia.com

Neue Unternehmen mischen alte Märkte auf. Digitale Technologien ermöglichen völlig neue Unternehmensstrategien. Das hat auch auf die Arbeitsmärkte starke Auswirkungen. 

Der Taxianbieter uber hat keine Taxis, Airbnb vermittelt Urlaubsquartiere ohne selbst Zimmer oder Wohnungen zu besitzen, mit whatsapp kann man telefonieren. Kurz: viele Märkte sind in großen Umbrüchen. Aber Digitalisierung und Automatisierung beschränken sich nicht auf bestimmte Bereiche, sondern ändern Arbeitsvorgänge und Geschäftsmodelle in allen Bereichen. Das betrifft nicht nur die automatisierte Produktion, sondern genauso Finanzdienstleistungen und den Handel, wo viele Vorgänge online über das Netz abgewickelt werden.

Ändert sich die Arbeit oder verschwindet sie?
Bedeutet das, dass menschliche Arbeit nicht mehr gebraucht wird und massive Beschäftigungsverluste unausweichlich sind? Hier gibt es viele verschiedene Zusammenhänge und Prozesse, die aufeinander wirken: Was für NutzerInnen günstige oder kostenlose Leistungen sind, reduziert  andernorts Beschäftigung, weil man mit manchen Produkten kein oder weniger Geld verdienen kann. Das Handy ersetzt für viele Menschen CDs, Zeitungen, Fotoapparat und Videokamera, MP3-Player, Land- und Straßenkarten bis hin zum PC. Dafür geben Menschen kein Geld mehr aus und damit wird Unternehmen und Beschäftigten ihr Einkommen entzogen. Andererseits können die Menschen das verfügbar gewordene Geld für andere Güter und Leistungen ausgeben und finanzieren damit Beschäftigung woanders. Folge der Digitalisierung ist dann ein Beschäftigungs- und Strukturwandel.

Welche Beschäftigung wird noch gebraucht?
Prognosen gehen davon aus, dass es auf dem Arbeitsmarkt zu Spaltungstendenzen kommen wird. Im hochqualifizierten Segment würden ArbeitnehmerInnen Maschinen und Software entwerfen, warten, verkaufen etc. – hier werden deutlich erhöhte Problemlösungsanforderungen auf die Beschäftigten zukommen. Gleichzeitig werden jene Jobs mit Routineaufgaben, die vordefinierten Prozeduren gehorchen, zurückgehen und von Algorithmen bzw. Maschinen  übernommen werden. Problemlösungsfähigkeiten dagegen werden wichtiger und besser bezahlt. Die Beschäftigung im mittleren Einkommensbereich wird dagegen geringer werden.

Es gibt also vor allem Bedarf im hochqualifizierten Bereich. Verluste sind teilweise im berufsbildenden Bereich und bei Niedrigqualifizierten zu erwarten. Auch geringqualifizierte Beschäftigung verschwindet allerdings nicht völlig, sie wird nur weniger. Es wird Menschen geben, die einfache Arbeitsschritte machen, die ihnen von einem System vorgegeben werden. Das führt zu einer Abwertung und Dequalifizierung und schlechterer Bezahlung mancher Arbeiten.  Es zeichnet sich ab, dass Weiterbildung praxisnahe und permanent erfolgen muss. Wenn sich die „Halbwertszeit“ von Wissen verringert, wird arbeitsplatznahe, berufsbegleitende Qualifizierung maßgeblich. Aber: Es werden meist nicht ganze Berufe automatisiert, sondern bestimmte Tätigkeiten. In der Folge ändert sich meistens der Tätigkeitsinhalt eines Berufes, er verschwindet jedoch nicht.

Manche Branchen sind schon auf einem hohen Digitalisierungslevel (z. B. Verlagswesen, Musikindustrie). Bei anderen gibt es noch Entwicklungspotenzial (z. B. Finanzdienstleistungen, Pflegedienstleistungen, Energie- und Wasserversorgung sowie der Handel). Wieder andere sind zwar wenig digitalisiert im Sinne von Internet-Aktivitäten, jedoch hochtechnisiert durch einen hohen Robotikanteil in der Produktion (z. B. Baubranche, Autoindustrie).

Wie wird Arbeit vergeben?
Arbeitsaufträge werden auch per Internet-Plattformen vergeben. Das Spektrum reicht vom hochqualifizierten Industriedesign bis hin zu unqualifizierten Tätigkeiten. Dieses sogenannte „Crowdworking“  hat sich allerdings in Österreich noch wenig durchgesetzt. Hier sind Gewerkschaften gefordert, eine Abwanderung von Tätigkeiten in den arbeits- und sozialrechtlich ungeschützten Bereich zu verhindern. Denn wir wollen, dass Arbeit auch künftig mit sozialem Schutz  und Sicherung erfolgt. Technologischer Fortschritt soll nicht zu sozialem Rückschritt führen.

Beschäftigungseffekte der Digitalisierung
Es ist unmöglich, seriöse Prognosen zu treffen, wie sich die Digitalisierung auf die Beschäftigtenzahlen auswirken wird. Das hängt nämlich nicht nur von den technologischen Möglichkeiten ab, sondern auch von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.  Es kommt also darauf an, wie der Wandel gestaltet wird. Technischer Fortschritt ist nicht neu, sondern seit der industriellen Revolution unser Begleiter. Trotzdem ist Arbeit nicht verschwunden. Im Gegenteil heute ist die Erwerbsbeteiligung höher als zuvor. Das ging einher mit einer Verkürzung der durchschnittlichen Arbeitszeiten, die sich in den letzten 20 Jahren vor allem in steigender Teilzeit ausgewirkt hat. Entscheidend ist, wo und wem die Einkommen aus der Produktion zugutekommen. Zusätzliche Beschäftigung wird nur entstehen, wenn die Einkommen bei jenen anfallen, die sie auch wieder ausgeben. Wenn es hingegen zu Monopolgewinnen für wenige kommt, die in Steueroasen versteckt werden, und die Löhne und Gehälter breiter Bevölkerungsschichten zurückgehen, sind Beschäftigungsverluste die logische Folge. Eine gerechte Verteilung der Einkommen und Produktivitätsfortschritte ist auch die beste Vorausetzung für eine stabile Entwick-lung der Beschäftigung. Dafür setzen sich die Gewerkschaften ein. Wir müssen also unsere Ziele unter neuen Rahmenbedingungen verfolgen. Das sind schwierige Anforderungen. Aber diesen muss man sich stellen, wenn man nicht abseits zurückgelassen werden will.