Digital Natives

Möchte man den neuen digitalen Graben unter den Jugendlichen überwinden, muss bei der Ausbildung angesetzt werden. Foto: Kerstin Knüpfer

Möchte man den neuen digitalen Graben unter den Jugendlichen überwinden, muss bei der Ausbildung angesetzt werden. Foto: Kerstin Knüpfer

Digitalisierung eröffnet Jugendlichen neue Chancen, aber nicht alle können sie für sich nutzen.

Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer digitalisierten Lebenswelt auf. Scheinbar mühelos meistern die Digital Natives von klein auf die neuesten technologischen Errungenschaften und bewegen sich spielerisch leicht in den unterschiedlichsten sozialen Netzwerken. Der Digitalisierungsgrad ist in Österreich generell sehr hoch und Internetnutzung in Österreich für die meisten Menschen leistbar. Besonders bei jungen Menschen spielt die Frage des Zugangs zu Computer, Smartphone und Internet kaum noch eine Rolle.

Laut einer Jugendstudie der AK Wien und des Instituts für Jugendkulturforschung verfügen 96 Prozent der Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren über ein eigenes Smartphone, mit dem sie online gehen können. Entsprechend selbstbewusst äußern sie sich auch selbst über ihre digitalen Kompetenzen. Acht von zehn der befragten Jugendlichen geben an, sich sehr gut oder gut mit Computer und Internet auszukennen – unabhängig von Herkunft oder Geschlecht. Außerdem geben sie an, diese Kompetenzen nicht in der Schule oder von den Eltern erworben zu haben, sondern im Freundeskreis und durch eigenes Experimentieren.

Neuer digitaler Graben

So weit so erfreulich. Das Bild von der umfassend kompetenten und digital gebildeten Jugend, die sich ihre Kompetenzen durch Eigeninitiative unabhängig von Herkunft und Bildungshintergrund erwirbt, ist jedoch leider ein schönes Märchen. Geht  es nämlich darum, wie gut die Jugendlichen in der Lage sind, ihre digitalen Kompetenzen für sich und ihre Ausbildung oder ihre berufliche Karriere zu nutzen, wird schnell klar, dass hier nach wie vor große Unterschiede und Defizite bestehen. Ein neuer Digital Divide (digitaler Graben) unter den Jugendlichen tut sich auf. Dieser verläuft eindeutig entlang der Grenzen der sozialen Ungleichheit und ist vom Bildungshintergrund abhängig.

Digitale Kompetenzen beschränken sich nämlich nicht allein auf technische Fähigkeiten und eine Nutzung von Informationen im Sinne von Finden und dann Konsumieren. Zur digitalen Kompetenz gehört darüber hinaus ein grundlegendes Wissen über die Funktionsweise des Internets (etwa wie Suchalgorithmen funktionieren). Notwendig ist außerdem, die Erfahrung einschätzen zu können, welche Informationen glaubwürdiger sind als andere. Zwar meint eine überwiegende Mehrheit der Jugendlichen, gut einschätzen zu können, ob etwas, das sie im Internet lesen, wahr ist oder nicht. Die angegebenen Kriterien für Glaubwürdigkeit lassen daran jedoch berechtigte Zweifel aufkommen. Sie haben nämlich weniger mit der Information an sich, sondern mehr damit zu tun, wie berühmt die „Marke“ des Absender ist, wie eine Information optisch aufbereitet ist und wie viele Klicks, Likes und positive Userkommentare es dazu gibt. Meldungen, die bei einer Google-Suche ganz oben stehen, werden automatisch als glaubwürdiger angesehen und zwischen Werbung und anderen Informationen wird häufig nicht differenziert.

Häufige Nutzung von Computer und Internet für die Schule von Zuhause nach Bildungsstand. Quelle AK Wien. Illustration: Kerstin Knüpfer

Häufige Nutzung von Computer und Internet für die Schule von Zuhause nach Bildungsstand. Quelle AK Wien. Illustration: Kerstin Knüpfer

Neben der Fähigkeit, Informationen zu bewerten, ist es eine wichtige digitale Kompetenz, das Internet zum Erreichen beruflicher und schulischer Ziele einzusetzen. Und hier zeigen sich gravierende Unterschiede zwischen Jugendlichen mit niedrigerer und höherer Bildung: So nutzen etwa 40 Prozent der Jugendlichen mit höherer Bildung das Internet häufig für Hausübungen während nur 15 Prozent Jugendlichen mit niedrigerer Bildung angeben, es regelmäßig für schulische Zwecke zu nutzen.

Social Media

Deutliche Unterschiede gibt es auch bei der Präsentation in sozialen Netzwerken und der Nutzung der sozialen Medien für persönliche Ziele. Zwar werden die sozialen Medien milieuübergreifend intensiv genutzt. Jugendliche mit höherer Bildung tun sich jedoch leichter, sich selbst authentisch darzustellen und ihren Standpunkt nachhaltig zu vertreten.

Bildung entscheidet

Möchte man diesen neuen digitalen Graben überwinden, so muss bei der Ausbildung angesetzt werden: Derzeit arbeiten nur die Hälfte der Lehrlinge in ihrer Ausbildung mit Computern. In Fachschulen sind es immerhin 60 Prozent und in maturaführenden Schulen 80 Prozent. Kinder müssen frühzeitig an einen eigenverantwortlichen Umgang mit digitalen Technologien herangeführt werden. Der Umgang mit Computer und Internet sollte wie Lesen, Schreiben und Rechnen als vierte notwendige Kulturtechnik bereits in der Volksschule gelehrt werden. Daneben braucht es Weiterbildungsangebote für Lehrende und eine Ausstattung aller Schulen mit leistungsfähiger IT-Infrastruktur.