Gute Raten sind teuer

Illustration: Jrcasas | Dreamstime.com

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SchuldnerberaterInnen und KonsumentenschützerInnen warnen vor angepriesenen Teilzahlungen beim Einkauf.

Mit unserer Teilzahlung bezahlen Sie in geringen, monatlichen Teilbeträgen. Die Laufzeit liegt in Ihren Händen, denn Sie entscheiden, ob Sie nur den monatlichen Mindestbetrag oder mehr bezahlen“, bewirbt ein großes österreichisches Versandhaus den Ratenkauf. „Flexible Teilbeträge ab zehn Euro monatlich.“ So wird gutgläubigen KundInnen maximale Flexibilität beim Einkauf suggeriert. Das kann sich als große Schuldenfalle erweisen. Einen Gesamtbetrag monatlich abzustottern ist nämlich eine Form von Kredit. Im Kleingedruckten weist der Versandhändler darauf hin, dass der effektive Zinssatz für den Ratenkauf bei stolzen 21,7 Prozent liegt.

Weshalb ein Shop diese Zahlungsmöglichkeit anbietet: Teilzahlung kann den Umsatz steigern. „Händler, die die beliebte Zahlungsart nicht anbieten, lassen Umsatzpotenziale ungenutzt. Damit geht ihnen bares Geld verloren“, werden die Unternehmen ihrerseits von Banken umworben.

Wer also die zuletzt gekauften Weihnachtsgeschenke in Raten bezahlt und sie in kleinen Teilbeträgen, auf bis zu 36 Monate verteilt, zahlt noch im Jahr 2020 für Weihnachten zurück. SchuldnerberaterInnen sehen Ratengeschäfte generell sehr kritisch. „Das ist für den Handel und die Banken ein gutes Geschäft“, so Clemens Mitterlehner, Geschäftsführer der staatlich anerkannten Schuldnerberatungen (ASB) mit Sitz in Linz. Der große Haken bei Ratenzahlungen sei, dass viele KonsumentInnen gleich mehrere Ratenvereinbarungen eingehen und so rasch den Überblick verlieren.

Davor warnt die Arbeiterkammer (AK) ebenfalls – und auch davor, das Bankkonto zu überziehen oder mit der Kreditkarte einzukaufen. Die AK hat die Zinsen für Kontoüberziehung, Teilzahlung und Kaufen mittels Kreditkarte näher unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Im schlimmsten Fall können tatsächlich Zinsen bis zu 22 Prozent bei Teilzahlungen anfallen. Außerdem gibt die AK zu bedenken, dass aus einer kurzfristigen Kontoüberziehung ein Dauer-Minus wird, und das kann ganz schön ins Geld gehen. Bei den Überziehungszinsen reicht die Bandbreite von 5,375 bis 13,5 Prozent. Beim Abstottern einer üppigen Kreditkartenabrechnung in Teilzahlung können Zinsen zwischen 12,5 und 14 Prozent anfallen. „Das ist kein Schnäppchen, vor allem da die Geld- und Kapitalmarktzinsen im Keller sind“, so die AK-KonsumentenschützerInnen.

Um Geld zu sparen und Fallen zu vermeiden, ist es ratsam, mit der Bank über die Minuszinsen am eigenen Konto zu verhandeln. Laut AK gibt es einen Spielraum – Bonität, langjährige Kundenbindung und Verhandlungsgeschick sind entscheidend. Bei einer längerfristigen Kontoüberziehung sollte auch eine Umschuldung auf einen Privatkredit erwogen werden. Auch bei einem Konsumkredit lohnt sich ein Kostenvergleich (effektiver Zinssatz, Nebenkosten, Bearbeitungsgebühr etc.), etwa mit dem AK-Bankenrechner .

Zur Vorsicht mahnen die KonsumentenschützerInnen zudem beim Bezahlen mit der Bankomat- oder Kreditkarte: Das erscheint zwar bequem, aber man verliert dadurch beim Einkaufen schneller die Kontrolle über die Gesamtausgaben, als wenn mit Bargeld bezahlt wird. Dagegen hilft, vorab das Einkaufsbudget festzulegen. Einkaufen oder Geldabheben mit der Bankomat- oder Kreditkarte in Euro-Ländern oder außerhalb von Euro-Ländern kann zusätzlich Spesen kosten.

Die Schuldnerberatung rät nicht zuletzt dazu, dass Jugendliche bereits in der Schule oder zu Hause lernen sollten, was ein Kontoüberzug oder eine Ratenzahlung ist. Das Haushalten mit (Taschen-)Geld will gelernt sein.

Mehr Infos:

AK-KonsumentInnenberatung
01/501 65 209
Montag bis Freitag
von 8 bis 12 Uhr

http://ak-bankenrechner.at