Lohntransparenz im internationalen Vergleich

Quelle: nito stock-adobe.com

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Die neue Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl fordert die Offenlegung der Gehälter als wichtigen Schritt zur Beendigung von Einkommensnachteilen von Frauen. Der internationale Vergleich gibt ihr Recht.

Einige Beispiele aus europäischen Ländern zeigen, wie man die in Österreich mit 2011 eingeführten Einkommensberichte verbessern könnte, um den Gender Pay Gap (in Österreich noch immer 20,1%) zu beseitigen.

Schweden

In Schweden gilt seit 1766 das Prinzip, dass staatliches Handeln und behördliche Akten für die Öffentlichkeit einsehbar sind – so auch Steuerdaten von einzelnen Personen. In Schweden gibt es daher eine maximale Lohntransparenz, jeder kann das Einkommen von Nachbarn oder KollegInnen erfragen. Unternehmen ab 25 MitarbeiterInnen müssen alle drei Jahre einen Bericht erstellen, der die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen im Unternehmen erfasst. Dieser ist allerdings nicht öffentlich einsehbar. Zusätzlich gibt es von den Sozialpartnern geführte Gehaltsstatistiken, um Ungleichheiten zu beseitigen.
Der Gender Pay Gap in Schweden beträgt 13,2 Prozent, der bereinigte (gleiche Branche, gleiches Alter, gleicher Wohnort) sogar nur 4,2 Prozent. Lohntransparenz ist ein Baustein dieser Ergebnisse, wirkt aber nur im Zusammenhang mit abgestimmten Karenzregelungen und ausgezeichneten Kinderbetreuungsangeboten.

Island

Island ist ein kleines Land, aber einer der Vorreiter in Lohntransparenz. Seit Anfang des Jahres 2018 ist der Equal Pay Act in Kraft getreten. Firmen ab 25 MitarbeiterInnen müssen nachweisen, dass sie ihre MitarbeiterInnen für gleichwertige Arbeit gleich bezahlen und alle drei Jahre hierfür ein Zertifikat erwerben. Freiwillig können Unternehmen dies schon seit 2014 tun, jetzt ist es verpflichtend. Hierbei werden Ausbildungsdauer und Qualifikation verglichen, um klassische Frauenberufe besser stellen zu können. Ab 2022 drohen Unternehmen, die den Gender Pay Gap noch nicht geschlossenen haben, tägliche Geldstrafen.
Der unbereinigte Gender Pay Gap in Island liegt bei ca. 14 Prozent. Neben dem Equal Pay Act gibt es auch Karenzregelungen, die Männer vermehrt in die Kinderbetreuung einbeziehen.

Deutschland

Deutschland ist im europäischen Vergleich inzwischen sogar hinter Österreich abgerutscht. Frauen verdienen durchschnittlich um 21 Prozent weniger als Männer. Das im Juli 2017 in Kraft getretene Lohntransparenzgesetz soll hier Abhilfe schaffen.  Mit Anfang 2018 können Beschäftigte in Unternehmen ab 200 MitarbeiterInnen schriftlich über die Einkünfte von Beschäftigten des jeweils anderen Geschlechts die gleiche bzw. gleichwertige Arbeit leisten Auskunft erhalten. (Allerdings nur über das Mediangehalt in Beschäftigungsgruppen ab mindestens sechs Beschäftigten). Unternehmen ab 500 Beschäftigten müssen einen Lagebericht über die Lohngleichheit im Unternehmen erstellen und die Beschäftigten über die Ergebnisse Informieren. Wenn hier Benachteiligungen offengelegt werden, muss der Arbeitgeber Maßnahmen einleiten.

Norwegen

Norwegen hat ähnlich wie Schweden eine lange Tradition in der öffentlichen Einsicht in staatliche Dokumente. Seit 2001 werden jährlich die Steuerdaten aller BürgerInnen im Internet veröffentlicht. Dies hatte zu Folge, dass die Löhne der NiedrigverdienerInnen landesweit um 4,8 Prozent stiegen. Auch der unbereinigte Gender Pay Gap ist in Norwegen mit 14 Prozent niedriger als der europäische Durchschnitt.

Finnland

In Finnland verdienen Frauen noch immer um durchschnittlich 17 Prozent weniger als Männer. Seit 2006 ist ein Gesetz zur verpflichteten Gehaltsüberprüfung der Unternehmen in Kraft. Unternehmen mit 30 Beschäftigten müssen alle zwei bis drei Jahre überprüfen, wie Männer und Frauen in gleichwertigen Tätigkeiten bezahlt werden. Verglichen werden hier die Anforderungen an Jobs, auch über verschiedene Kollektivverträge hinweg.

Der Vergleich zeigt: Lohntransparenz ist ein wesentlicher Schritt, um Einkommensgleichheit umzusetzen. Zusätzlich braucht es aber natürlich auch Maßnahmen zur Schaffung von qualitativer Kinderbetreuung und Beteiligung von Männern an unbezahlter Haus- und Pflegearbeit.