Porträt: „Eine helfende Hand“

Kathrin Lukac ist Betriebsrätin bei ZARA. Foto: Nurith Wagner-Strauss

Kathrin Lukac ist Betriebsrätin bei ZARA. Foto: Nurith Wagner-Strauss

Kathrin Lukac, eine von zwei nun freigestellten BetriebsrätInnen bei ZARA, im Porträt.

Wichtigste sind die Mitarbeiter. Wenn die glücklich sind, dann passt auch alles“, ist Kathrin Lukac überzeugt. Die 32-jährige Einzelhandelskauffrau und Modeliebhaberin ist seit diesem Juni eine von zwei freigestellten Betriebsratsmitgliedern des internationalen Textilunternehmens ZARA in Österreich. Einen Betriebsrat gibt es bei ZARA erst seit vergangenem Jahr. Anstoß gab weniger ein problematischer Anlassfall, sondern mehr das Gefühl, dass es schon gut wäre, in einem Handelsbetrieb mit aktuell 986 MitarbeiterInnen einen Betriebsrat zu haben. „Der Betriebsrat ist ja auch eine Bereicherung fürs Unternehmen. Und ich glaube, die Geschäftsführung sieht das auch so.“

Lukac liebt ihren Job. Das sagt sie nicht nur, in genau diesen Worten, das spürt man auch. „Mein Interesse ging immer in Richtung Mode.“ Ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau hat sie bei Intersport in Deutschland absolviert, war dort insgesamt neun Jahre beschäftigt und nach ihrem Lehrabschluss zunächst im Einkauf für die Bademode zuständig, danach für die Fitnessabteilung, später für den Trekkingbereich. „Fashion war schon immer mein Leben. Bei Intersport fand ich die Fitnessmode interessant, aber ich wollte noch mehr in Richtung Bekleidung gehen.“

So wechselte sie zu ZARA in Dortmund. „Mit ZARA kann ich mich identifizieren. Ich trage auch nur ZARA.“ Hilfreich ist da, dass Manager sich stets im Rahmen eines Budgets etwas aus der aktuellen Kollektion aussuchen können und das dann gleichzeitig die Berufskleidung ist. Nicht leitende MitarbeiterInnen erhalten eine halbjährlich wechselnde Uniform.

Seit 2012 lebt Lukac – nach einem Auslandsjahr in Griechenland – in Österreich und startete ihre berufliche Laufbahn hier als Teilzeitkraft bei ZARA im Haas-Haus am Stephansplatz. Nach nur einem Monat bot man ihr eine Vollzeitstelle an, sie wechselte ins Donauzentrum, wurde dort stellvertretende Filialleiterin, wechselte in dieser Position wieder zurück ins Haas-Haus. 2014 kam ihr Sohn zur Welt. Nach einem Jahr Karenz stieg sie wieder in den Job ein, allerdings in Elternteilzeit und nun in der Filiale im Gerngroß auf der Mariahilfer Straße. Seitdem zeichnete die Alleinerzieherin als Subdirector für alles verantwortlich, was mit Human Ressources – also Personalentwicklung – zu tun hat. „Ich habe Mitarbeiter eingestellt und eingeschult, Stundenkontrollen gemacht, die Leute auf der Fläche unterstützt.“

Wichtigste Aufgaben

Damit war sie schon bisher mit vielen Menschen im Gespräch. Was ihrer Meinung nach die MitarbeiterInnen am dringendsten brauchen? „Eine helfende Hand: Unterstützung bei der Einschulung, immer auf einem Wissensstand zu sein, was etwa Provisionslisten angeht, wie wichtig Stundenlisten sind. Man muss das den MitarbeiterInnen erklären und dann hinterher sein. Ich sehe den Betriebsrat auch als Bereicherung fürs Büro. Wir haben eine HR-Abteilung, aber viele Filialen. Der Betriebsrat kann da viel mithelfen und erklären.“

Der erste Betriebsrat

Dass sich ihr Alltag mit der neuen Aufgabe ändern wird, ist Lukac klar, und sie freut sich schon darauf. Es sei vor allem deshalb eine große Herausforderung, da in der Firma niemand sei, den sie ihrerseits fragen könne, wie man dies mache oder jenes. „Wir sind eben der erste Betriebsrat bei ZARA.“ Vorgenommen hat sie sich, regelmäßig die Wiener Filialen zu besuchen und nach und nach mit vielen MitarbeiterInnen in Kontakt zu kommen. Erst dann werde sie wirklich sagen können, wo der Schuh drücke.

Dass die Fluktuation unter den MitarbeiterInnen hoch sei, sieht Lukac in der Branche begründet. Im Einzelhandel sei es derzeit leicht, einen Job zu finden. Wer zum Beispiel im Sommer mehrere Monate Urlaub wolle, der kündige, und habe kein Problem, rasch etwas Neues zu finden. Bei ZARA, wo für eine Anstellung im Verkauf kein Lehrabschluss verlangt wird, seien viele StudentInnen beschäftigt. Sie gehen irgendwann in ihren Wunschberuf.

Die größte Herausforderung sieht Lukac für MitarbeiterInnen im Einzelhandel im Umgang mit Kunden und Kundinnen. „Die Kunden sind nicht immer sehr nett. Da muss man klar wissen, es gibt ManagerInnen, die Probleme handeln. Aber dann gibt es Tage wie den Black Friday, da kam es schon vor, dass eine Mitarbeiterin von einer Kundin eine Watsche bekommen hat. Und da müssen die MitarbeiterInnen wissen, dass sie nicht immer extrem freundlich sein müssen, dass es auch Grenzen gibt.“

In den kommenden Wochen wird Lukac meist in einer der sechs Wiener ZARA-Filialen (inklusive Shopping City Süd) anzutreffen sein und dabei vor allem eines tun: zuhören. Und sollten sich Anliegen herauskristallisieren, die von mehreren MitarbeiterInnen an sie herangetragen werden, versuchen, Lösungen zu finden. Aber nun gilt es abzuwarten, was auf sie zukommt. Noch weiß sie es selbst nicht genau.