Buchtipp: Digitalisierung, leicht und anschaulich erklärt

In seinem Sachbuch für Jugendliche „So funktioniert Digitalisierung“ zeigt der Journalist Reinhard Engel, wie sehr die Arbeitswelt, aber auch unser Alltag bereits digital funktionieren. Er nimmt damit einem oft als bedrohlich empfundenen Schlagwort den Schrecken. Auch für Erwachsene eine Empfehlung.

Digitalisierung: Für die einen ist der Begriff irgendetwas mit Computern, die anderen verbinden es mit dem Wegfall von Arbeitsplätzen. Ersteres stimmt, Engels Buch hilft jedoch mit spannenden Reportagen und Interviews leicht verständlich zu erklären, was man sich konkret darunter vorstellen kann. Zweiteres muss nicht sein. So wie der Einzug des PCs in Büros neue, andere Jobs geschaffen hat, so brauchen auch die modernen, digitalen Systeme EntwicklerInnen, ProgrammiererInnen, aber auch Arbeitskräfte, die sie bedienen, überwachen, warten.

Digitalisierung im Alltag: Sie ist so präsent, dass wir an ihr gar nicht mehr vorbeikönnen. Wer ein Smartphone besitzt, weiß, was Apps sind – ob man nun auf Google maps nachsieht, wo sich eine Adresse befindet, ob man Essen nach Hause bestellt oder bei der Bestellung in einer Mc Donald’s-Filiale Punkte, hier Ms genannt, sammelt und diese dann für Gratisgetränke oder Pommes frittes einlösen kann.

Digitalisierung spielt aber auch dort, wo wir sie gar nicht wahrnehmen, eine Rolle. Da bricht man sich im Urlaub in den Bergen ein Bein, doch im nächstgelegenen kleinen Krankenhaus ist nicht rund um die Uhr ein Radiologe im Einsatz. Da die Röntgenaufnahmen nun digital verfügbar sind, können sie rasch zu einem Radiologen in einem anderen Spital, das Kooperationspartner ist, geschickt und von diesem ausgewertet werden.

Und das Glas Milch, auf das man abends plötzlich einen Gusto hat, kommt vielleicht von einer Kuh, die nicht mehr händisch von einem Bauern gemolken wurde und auch nicht von einem Melkapparat, der händisch angelegt werden muss, sondern von einem Melkroboter. Und dieser sieht nicht aus wie eine Plastikversion eines Menschen mit Kopf, Armen und Beinen, dieser Roboter ist eine Box, in welche die Kühe, wenn sie gemolken werden wollen, selbständig gehen, dort vor dem Melken gesäubert werden und als Belohnung Leckerlis erhalten. Ein Bauer, der seine 70 Milchkühe heute in einer solchen Box melken lässt, ist Martin Krendl. Vor der Umstellung auf diese digitale Lösung hat er sechs Stunden im Stall verbracht. „Meine Arbeit ist dadurch deutlich leichter geworden. Ich kann mich jetzt auch mehr um die Tiere kümmern“, verriet er Engel.

Online-Shopping, Lagerhaltung, Verkehrsleitsysteme, E-Banking, aber auch leichteres maschinelles Zuschneiden von Holzteilen für Maßmöbel: Reinhard Engel gibt mit seinen Reportagen Einblick in verschiedenste Branchen und Anwendungen. Da prüft etwa eine Drohne vor dem Mähen, ob sich auf dem Feld ein Reh befindet. Das kann dann vor der Ernte geborgen werden, was nicht nur sein Leben rettet, sondern dem Bauern auch Kosten spart, denn dem Mähdrescher tut es auch nicht gut, wenn er statt Getreide abzuschneiden ein Tier zerfetzt. Ein Op-Roboter macht noch präzisere Eingriffe möglich und aus dem eigenen Telefon wird der Schlüssel zum Hotelzimmer.

 

Reinhard Engel: „So funktioniert Digitalisierung. Ein Sachbuch für Jugendliche“, Leykam Verlag, Graz/Wien 2018, 192 Seiten, € 24,50, ISBN 978-3-7011-8090-5