Buchtipp: Die neue ArbeiterInnenklasse

Das Buch hält, was der Titel verspricht – im Mittelpunkt stehen die Menschen.

Die praktisch in der Hand liegende Lektüre gewährt einen Einblick in den Arbeitsalltag und das Privatleben von Lieferanten, einer unfreiwillig Teilzeit Beschäftigten und sechs weiteren Menschen. Dabei kommen sie auch mehrmals selbst zu Wort, wodurch die Erzählungen noch greifbarer werden. So unterschiedlich die portraitierten Menschen scheinen, so haben sie doch etwas Entscheidendes gemeinsam – sie leben in prekären Verhältnissen, bedingt durch ihre Arbeit. Gekonnt nimmt das Buch seine LeserInnen auf diese Lernreise mit. Und lässt sie langsam erahnen, was bei Betrachtung der Zahlen schnell klar wird. Das sind keine Einzelschicksale oder gar Härtefälle – nein, das hat System. Auch Fans sogenannter Hardfacts – zu Deutsch: Daten und Fakten – kommen auf ihre Kosten. Ansprechend und fesch aufgemacht, schmücken Hardfacts ganze Doppelseiten. So empathisch die Autorin Bohrn Mena die Geschichten der Menschen erzählt, genauso schonungslos ist sie in ihrer darauffolgenden Analyse. Unter anderem beschreibt sie, wie Lohn- und Sozialdumping zu einem sich ausbreitenden und lukraktiven Geschäftsmodell geworden sind. Und wie sich die Situation noch weiter verschärfen wird, wenn die schwarzblaue Regierung ihre Pläne zur Deregulierung und Flexibilisierung der Arbeitswelt weiter realisiert. Mit einer Analyse gibt sich die Autorin und Gewerkschafterin aber nicht zufrieden. Weil systematische Fehler systematische Lösungen brauchen, liefert sie auch Vorschläge dazu. Sie zeigt, dass ein Diskurs über den Leistungsbegriff höchst an der Zeit ist und Urforderungen der ArbeiterInnenbewegung, wie die Arbeitszeitverkürzung, auch heute noch Gültigkeit besitzen.

Veronika Bohrn Mena

Die neue ArbeiterInnenklasse

Menschen in prekären Verhältnissen

19,90 Euro

ISBN 978-3-99046-325-3