Kollektivvertrag für Laudamotion

Sandro Mayer, Betriebsratsvorsitzender bei Laudamotion, Foto: Nurith Wagner-Strauss

Sandro Mayer, Betriebsratsvorsitzender bei Laudamotion, Foto: Nurith Wagner-Strauss

Der neue Kollektivvertrag ist für Betriebsrat Sandro Mayer „ein Fundament, auf dem man aufbauen kann“.

Laudamotion ist nun auch von ArbeitnehmerInnenseite auf Schiene. Das Unternehmen, das zu Jahresbeginn die insolvente Fluglinie Niki übernahm, erhielt im Sommer mit Ryanair eine starke Muttergesellschaft und bereits im Frühjahr einen Betriebsrat. Nun wurde auch ein Kollektivvertrag – bei dieser Fluglinie ein gemeinsamer für Board- und Bodenpersonal – unterzeichnet. Monetär sind vor allem die PilotInnen anders als bei Niki mit Laudamotion im Schnitt europäischer Gehälter angekommen. Für technische und Büroangestellte muss das erst noch erreicht werden.

„Das Unternehmen war komplett im Umbruch“, schildert Sandro Mayer. „Mir war klar, dass es in dieser unsicheren Zeit sehr wichtig war, einen Betriebsrat zu etablieren.“ Der Pilot, der 2012 bereits bei Niki eine Personalvertretung initiiert hatte, sorgte auch nun dafür, dass es bei Laudamotion einen Betriebsrat gibt. „Es war ja von Vorneherein relativ klar, dass Niki Lauda das nicht alleine wird schultern können, sondern dass da ein Partner hereinkommen wird. Und das impliziert, dass man Entscheidungsträger nicht mehr vor Ort sitzen hat. Wir kennen das aus Niki-Zeiten noch mit Air Berlin, nun ist es Ryanair in Dublin. Da braucht es eine gute Vertretung.“

MitarbeiterInnen verließen das sinkende Schiff

Der Betriebsrat konstituierte sich im Mai, der Wahl hatte sich nur eine Liste gestellt. Die Fluktuation der MitarbeiterInnen war in der Umbruchszeit hoch – während der Insolvenz und der Anfangszeit der neuen Linie, verließen viele das vermeintlich sinkende Schiff. 550 MitarbeiterInnen zählt Laudamotion heute, davon sind 120 PilotInnen. Bis Sommer, wo die aktuelle Flotte von neun Flugzeugen auf 18 aufgestockt werden soll, sollen es an die 200 PilotInnen werden.

Den nun beschlossenen Kollektivvertrag bezeichnet Mayer als „Fundament, auf dem man aufbauen kann“. Vieles darin sei vom Niki-KV übernommen worden. Die Gehälter für PilotInnen hätten sich durch die Personalknappheit aber massiv gesteigert – „es haben PilotInnen gefehlt und der Arbeitgeber musste dafür sorgen, den Arbeitsplatz attraktiver zu gestalten. Das wäre so am Verhandlungstisch nie zu erreichen gewesen.“ Mit Juni wurde die erste Gehaltserhöhung wirksam, im April folgt eine weitere Steigerung. Gerne sähe Mayer eine ähnliche Entwicklung auch bei den Gehältern für technische MitarbeiterInnen und Büroangestellte – hier sei nun nicht einmal eine Inflationsanpassung vorgenommen worden. Er ist aber zuversichtlich, dass auch hier Angebot und Nachfrage schon bald für eine Verbesserung sorgen. Es sei schon absehbar, dass es auch im Bereich der Technik Bedarf an neuem Personal gebe. Da müsse sich dann der Arbeitgeber entsprechend bemühen.

Arbeitszeitgestaltung

Abseits des Monetären ist auch die Arbeitszeitgestaltung ein wichtiges Thema. Die Flugbranche funktioniert zwar grundsätzlich anders als andere Branchen – 12-Stunden-Tage waren zum Beispiel schon bisher für TechnikerInnen üblich. Das Boardpersonal ist wiederum oft mehrere Tage unterwegs, vor allem im Sommer, wenn Urlaubsdestinationen nacheinander angeflogen werden. Der Winterflugplan, der viele Städtedestinationen vorsieht, erleichtert hier die Dienstplangestaltung. Der KV enthält daher auch Regelungen, die für eine Dienstplanstabilität sorgen: So ist ein freier Tag ein freier Tag, an diesem können MitarbeiterInnen nur freiwillig zu einem Dienst herangezogen werden. Dienständerungen, die mehr als drei Stunden umfassen, können wiederum abgelehnt werden, wenn das Unternehmen noch Stand by-Crews zur Verfügung hat.

„Das Verlangen nach einem fixen Dienstplanmodell ist in der Belegschaft sehr hoch.“ Sandro Mayer, Betriebsratsvorsitzender bei Lauda Motion, Fotos: Nurith Wagner-Strauss

„Das Verlangen nach einem fixen Dienstplanmodell ist in der Belegschaft sehr hoch.“ Sandro Mayer, Betriebsratsvorsitzender bei Lauda Motion
Fotos: Nurith Wagner-Strauss

Die Dienstplangestaltung sei auch angesichts der Tatsache, dass Laudamotion im Wachsen begriffen sei, eine Herausforderung, so Mayer. Dazu komme, dass sich der PendlerInnenanteil massiv erhöht habe, von etwa zehn Prozent zu Niki-Zeiten auf über 50 Prozent aktuell. Es werde versucht, darauf zu achten, dass zum Beispiel PilotInnen mehr von dort fliegen, wo sie stationiert sind. Das führe zu weniger Übernachtungen außerhalb und führe zu besseren Dienstplänen für die MitarbeiterInnen. „Das Verlangen nach einem fixen Dienstplanmodell ist in der Belegschaft sehr hoch.“

Mayer selbst lebt mit seiner Familie in Villach und ist in Graz stationiert. Er hat dort seine home base, wie es PilotInnen formulieren. Im Sommer verbrachte er nur neun Tage im Monat mit seiner erst eineinhalbjährigen Tochter. Da wäre es fein, wenn es mehr Zeit für die Familie gebe, andererseits gehöre das auch zum Pilotenberuf dazu. Am Montag, wo wir einander am Flughafen für dieses Gespräch treffen, startete Mayer schon frühmorgens von Wien nach Mailand und flog dann wieder retour. Was ihm an seinem Beruf Freude mache? „Das schönste ist das Büro mit Aussicht. Wenn man so wie heute aus den Wolken herauskommt und die Sonne aufgeht, dann macht das schon enorm Spaß.“

Noch Zukunftsmusik sind zwei zusammenhängende Off-Tage für das fliegende Personal. Dafür will sich Mayer nun einsetzen. In weiter Ferne liegt auch ein Branchen-Kollektivvertrag für alle Fluglinien. Hier würden sich vor allem die Wirtschaftskammer und die Unternehmerseite sperren, so Mayer. Die BetriebsrätInnen von AUA, Eurowings, Laudamotion und Level hätten hier bereits gute Gespräche geführt.

Auch wenn ein Branchen-KV noch nicht spruchreif ist, freut sich Bernd Kulterer vom Geschäftsbereich Interessensvertretung der GPA-djp, über den nun abgeschlossenen Laudamotion-KV. Aus Gewerkschaftssicht sei es vor allem wichtig, dass ArbeitnehmerInnen in Österreich einen Kollektivvertrag hätten. Gerade in der Flugbranche würden KVs auch dazu führen, dass es nicht zu Lohndumping komme.

ZUR PERSON:

Sandro Mayer, geb. 1977 in Villach, Ausbildung zum Großhandelskaufmann, anschließend berufsbegleitend Ausbildung zum Linienpiloten. Ab 2004 Kopilot, zunächst bei Styrian Spirit, 2006 Wechsel nach Italien zu Air One, 2007 Start bei FlyNiki (später Niki). Seit 2009 Kapitän, inzwischen bei Laudamotion. Zusätzlich Ausbildner angehender PilotInnen sowie Betriebsratsvorsitzender. In dieser Funktion hat er den nun unterzeichneten Kollektivvertrag für alle MitarbeiterInnen von Laudamotion mitverhandelt. Mayer lebt mit seiner Partnerin in Villach, das Paar hat eine Tochter.