Buchtipp: Hoffnungstropfen

Im Gegensatz zur mancherorts verbreiteten Katastrophenstimmung auf unserem globalisierten Planeten gibt es auch zahlreiche positive sozioökonomische Entwicklungen. „Hoffnungstropfen“ ist ein Plädoyer dafür, sich statistische Trends zu Gemüte zu führen, nicht negative Schlagzeilen

Tony Rinaudo ist Josef Nussbaumers „Held“, sagt er. Der Australier Rinaudo ist Agrarökonom und hat sich als „Waldmacher“ einen Namen gemacht: Vor mehr als 30 Jahren initiierte er ein relativ einfaches Projekt zur Aufforstung in Afrika, indem er das unter dem Wüstenboden entdeckte Wurzelwerk wiederbelebte und so den vermeintlich unfruchtbaren Boden wieder begrünte. Damit wächst für die Menschen in den Dürregebieten neue Hoffnung. Und dafür wurde im September 2018 Tony Rinaudo gemeinsam mit dem Landwirten Yacouba Sawadogo aus Burkina Faso mit dem so genannten „Alternativen Nobelpreis“ ausgezeichnet.

Lange davor galt dieser Aufforstungserfolg dem Wirtschaftshistoriker Josef Nussbaumer als einer der weltweiten „Hoffnungstropfen“. Diese beschreibt er zahlreich in seinem gleichnamigen Buch, das vor ziemlich genau einem Jahr erschienen ist. Nicht alles, was sich auf unserem Planeten entwickelt, ist schlecht oder negativ – wie dominierende Schlagzeilen in Medien suggerieren mögen. Deshalb handelt das Buch, das Nussbaumer gemeinsam mit Stefan Neuner verfasst hat, noch lange nicht von einer heilen Welt. Nussbaumer weiß, was er tut.

Als Wissenschaftler, der die wirtschaftliche Entwicklung üblicherweise aus längerfristigen Perspektiven betrachtet, ist er es gewohnt, einen Schritt zurückzutreten und dann zu analysieren, anstatt zu hyperventilieren und Hysterie anzustacheln. Der emeritierte Wirtschaftsprofessor der Universität Innsbruck findet denn auch, dass wir „zu viel schimpfen und sudern“. Und dass jede/r etwas tun kann, um die Welt ein kleines Stück weit besser zu machen.

Die Beweisführung ist gelungen. Auf den mehr als 270 Seiten von „Hoffnungstropfen“ zählen zu den schönsten Beispielen eine Mini-Bibliothek, die am Esel geritten regelmäßig in Dörfer Kolumbiens kommt, oder eine Bibliothekssammlung, die aus weggeschmissenen Büchern von einer Müllhalde in der Türkei entstanden ist. Selbstverständlich liefert das Buch umfassendes Zahlenmaterial, das in Grafiken anschaulich dargestellt wird – und erlaubt, den Blick für das große Ganze zu bewahren. Klar ist: Jede/r Arme und jede/r Hungernde ist zu viel; gab es vor 100 Jahren 70 Prozent Hungernde auf der Welt, sind es aber derzeit 10 Prozent. Bei der Erzeugung und Verwendung von alternativen Energien ist im Lauf der Jahrzehnte ein enormer Anstieg zu verzeichnen – manche Länder, Regionen oder Städte sind sogar energieautark, obwohl fossile Energie nach wie vor gefördert wird.

Trotz Thematik ist das Fachbuch leicht zu lesen. Es ist sehr klar strukturiert und dankenswerter Weise mit einer Unmenge an Fußnoten und weiterführender Links und Buch-Empfehlungen ausgestattet. Damit eignet sich „Hoffnungstropfen“ auch als praktisches Nachschlagewerk. Und als Hoffnungsschimmer und somit faktenreicher Kontrapunkt zu „fake news“ produzierenden Populisten.

Die Erlöse aus dem Buch-Verkauf kommen dem von den Autoren gegründeten Verein teamGlobo und damit 1:1 karitativ tätigen Personen und Organisationen zugute. Bis jetzt wurden mehr als 120.000 Euro gespendet. Gesammelt wird zur Zeit für Straßenkinder, konkret Mädchen, in Mali, um ihre Alphabetisierung zu fördern.

 

Josef Nussbaumer/Stefan Neuner

Hoffnungstropfen.

Studia Universitätsverlag Innsbruck, 2017,

274 Seiten,

19,90 Euro, I

SBN 978-3-903030-44-2