Altes Eisen rostet nicht

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Ältere Menschen sollen so lange wie möglich arbeiten. Doch passen die Rahmenbedingungen für Beschäftigte über 60 oder werden diese in die Frühpension gedrängt? 

Der Anteil älterer Menschen in unserer Gesellschaft nimmt weiter zu. Parallel dazu altern auch die Belegschaften: seit 2005 ist jede/r zweite MitarbeiterIn in heimischen Betrieben über 40 Jahre alt. Ab 2020 wird in Österreich die Gruppe der 45- bis 64-Jährigen erstmals den größten Anteil der Personen im Erwerbsalter darstellen. Gleichzeitig wird die Zahl der 15- bis 24-jährigen Erwerbstätigen zurückgehen.

Es liegt auf der Hand, dass ältere ArbeitnehmerInnen aufgrund ihrer langjährigen Tätigkeit über einen reicheren Erfahrungsschatz und breitere Lösungsansätze verfügen als BerufsanfängerInnen. „Doch in der betrieblichen Realität stoßen wir auf jugendorientierte Personalpolitik“, kritisiert Isabel Koberwein, Expertin im Grundlagenbereich der GPA-djp.

Wertvolle Ressource

Ältere Beschäftigte werden gerne „abgebaut“, weil sie für den Betrieb teurer kommen als Berufsneulinge. Viele Vorurteile sind im Spiel: den Älteren werden Stress-Anfälligkeit, geringere Belastbarkeit und mangelndes Engagement unterstellt. „Naturgemäß verringern sich mit dem Alter physische und funktionelle Kapazitäten wie Hören, Sehen, Regenerationsfähigkeit oder Schnelligkeit. Dafür steigt das Ausmaß an sozialer Verantwortung, das Urteilsvermögen und die Selbständigkeit“, erklärt Koberwein.

„Ältere MitarbeiterInnen verfügen über große Problemlösungskompetenz, Teamfähigkeit und ein hohes Verantwortungsbewusstsein“, beschreibt GPA-djp Vorsitzender Wolfgang Katzian die besonderen Qualitäten erfahrener ArbeitnehmerInnen. Doch auch die Führungskräfte müssten sind stärker darüber bewusst werden, dass Wertschätzung, Weiterbildung und Qualifizierungsmaßnahmen für ältere Beschäftigte positive Auswirkungen auf den gesamten Betrieb haben, ist Katzian überzeugt. Dafür müsste unser Denken allerdings vermehrt Kompetenz-orientiert werden anstatt sich in Alterskategorien abzubilden.

Beschäftigte länger gesund in der Arbeitswelt halten

Katzian setzt sich dafür ein, dass ältere ArbeitnehmerInnen möglichst lange fit und gesund an ihrem Arbeitsplatz bleiben können. Daher fordert er eine Verpflichtung der Unternehmen zu altersgerechtem Arbeiten und betrieblicher Gesundheitsförderung durch erzwingbare Betriebsvereinbarungen.

Qualitätsvolle betriebliche Gesundheitsförderung vergrößert das Potenzial älterer ArbeitnehmerInnen. Die bedürfnisorientierte Gestaltung von Arbeitsaufgaben und Abläufen erhöht die Motivation und Produktivität der Beschäftigten. Dazu sind oft nur geringfügige organisatorische oder personelle Veränderungen notwendig, aber viele arbeitsbedingte Erkrankungen könnten vermieden werden.

Doch auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Frühpensionen müssen so gestaltet sein, dass sich Erwerbstätigkeit bis zum Pensionsalter sowohl für die Menschen als auch für die Betriebe lohnt.

Frühpension

„Gesunde und motivierte ArbeitnehmerInnen sind nicht die Zielgruppe, die in die Invaliditätspension drängt“, weiß Expertin Koberwein. Weder die Politik noch die Beschäftigten selber wollen einen weiteren Anstieg der krankheitsbedingten Pensionen. „InvaliditätspensionistInnen haben sich mit Sicherheit einen anderen Lebensabend vorgestellt, als krank und ausgelaugt von Jahrzehnten harter Arbeit mit einer Mini-Pension auskommen zu müssen“, bekräftigt Wolfgang Katzian.

„Will man die Zahl der neuen InvaliditätspensionistInnen ernsthaft reduzieren, dann müssen vor allem die Arbeitsbedingungen für die Älteren verbessert werden bzw. psychische Belastungen verringert werden. Das gelingt am besten durch gezielte Prävention von Fehlbelastungen, eine altersgerechte Arbeitsgestaltung und durch mehr betriebliche Gesundheitsförderung“, fasst Katzian zusammen. Ein Rückgang der krankheitsbedingten Pensionen würde die Erwerbsquote erhöhen und das Pensionssystem entlasten.

Derzeit gehen Männer in Österreich im Durchschnitt mit 59,1 statt mit 65 Jahren, Frauen mit 57,1 statt mit 60 Jahren in Pension. Doch hauptverantwortlich für das faktisch niedrige Pensionsantrittsalter sind nicht die Betroffenen selbst, sondern meist rein finanzpolitische Überlegungen der Unternehmen. „Viele Betriebe entledigen sich ihrer älteren MitarbeiterInnen, indem sie in Pension geschickt werden, bevor sie zu teuer werden“, kritisiert Wolfgang Katzian. Offenbar schätzen viele Unternehmen diese Praxis als gewinnbringender ein, als Investitionen in Gesundheitsprogramme, Burn-Out-Prophylaxe und altersgerechte Arbeitsplätze – ein Trugschluss.

Invaliditätspension

Erste Änderungen wurden nun durch eine gesetzliche Reform der Berufsunfähigkeits- bzw. Invaliditätspension ab 2014 gesetzt. Entsprechend dem Grundsatz „Rehabilitation statt Pension“ sollen ArbeitnehmerInnen, die ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben können – wenn das möglich und zumutbar ist – medizinisch rehabilitiert und/oder beruflich umgeschult werden.

Die GPA-djp unterstützt Betriebe dabei zu erkennen, wie die Vorteile einer altersgemischten Belegschaft nutzbar gemacht werden können und der innerbetriebliche Zusammenhalt zwischen jüngeren und älteren Menschen besser funktionieren kann. Schließlich ist 2012 das europäische Jahr des aktiven Alterns und der Solidarität zwischen den Generationen.

Broschüre

Die Broschüre „Altersteilzeit. Alle Informationen auf einen Blick“ von Isabel Koberwein und David Mum informiert über alle Neuerungen ab 2013. Die Broschüre bestellen: service@gpa-djp.at

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