Buchtipp: Danke!

Hinreißend, wie der junge syrische Wehrdienstverweigerer Omar Khir Alanam seine entwaffnende Geschichte von Flucht und Ankunft erzählt und damit den ÖsterreicherInnen sagt, was er ihnen schon längst sagen wollte.

Wer einem geliebten Menschen dieser Tage ein Buch schenken möchte, sollte zu „Danke!“ greifen. Weniger aus Dankbarkeit, vielmehr weil das Buch Empathie und Herzenswärme verströmt. Etwas, das genau genommen alle Menschen brauchen.

Bemerkenswert ist, dass das 158-Seiten-Bändchen von Omar Khir Alanam auf Deutsch – eine Fremdsprache für ihn – geschrieben wurde. Er lebt seit drei Jahren in Österreich. Davor war er Medizinstudent in Syrien. Zur Flucht aus seiner kriegsgebeutelten Heimat hatte er sich entschlossen, weil er nicht als Soldat für Assad kämpfen und nicht als Wehrdienstverweigerer getötet werden wollte.

Als 16-Jähriger hatte ein Lehrer in Syrien seine literarische Ader geweckt, die Omar dort nicht ausleben konnte. In Österreich trat er zunächst als Poetry Slammer auf. Das schlägt sich jetzt auch in seinem Buch nieder. Es ist unglaublich rasch geschrieben – kein Wort zu viel, und einfühlsam, wobei er den Themen-Komplex Flucht/Flüchtlinge aus beiden Sichtweisen beschreibt: Angst davor haben sowohl die Menschen in Aufnahmeländern als auch jene aus Herkunftsländern. Sympathisch ist, wie er Österreich und der westlichen Welt den Spiegel vorhält. Beispielsweise wenn er sich über viel zu häufiges Zähneputzen mokiert.

Erschienen ist das Buch in dem kleinen österreichischen Buchverlag edition a. Und es wirkt von A b Z wie durchkomponiert: Von den stärksten Geschichten in einem Staccato-Rhythmus zu Beginn bis zu den leisen, unaufgeregten Kapiteln zum Ende hin. Decrescendo würde das in der Musik heißen. Die erste Kurzgeschichte hat den Titel „Sieben“ und beginnt – auf Seite sieben. Denn, schreibt Omar Khir Alanam: „Ich bin die Sieben.“ Zweimal so viele, also 14 Kapitel gibt es insgesamt. Darin schildert er in teils poetischer Sprache, in teils lustiger Weise seine abenteuerliche Flucht, die Ankunft in Österreich und erste Eingewöhnung in Tirol, dann in der Steiermark, intime Ängste, erste Begegnungen mit freundlichen ÖsterreicherInnen und die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache.

„Ich weiß noch, wie wir im Flüchtlingsheim innerlich gejubelt haben, als es eines Tages hieß: Ihr bekommt einen Deutschkurs. Der sah so aus, dass man uns in zwölf (!) Stunden alles Wesentliche beibringen wollte. In einem Lernzimmer, das nur geöffnet wurde, wenn unsere Trainerin kam. Ansonsten konnten wir uns bekanntlich nirgendwohin zurückziehen, um eigenständig zu lernen.“ Also fing Omar an, auf eigene Faust Deutsch zu lernen. „Sprache als Schlüssel zu den Herzen“ betitelte er denn auch eine seiner Kurzgeschichten.

In der Mitte des Buches eingebettet findet sich das Kapitel über Alena, die er in Graz kennen und lieben lernte und die inzwischen seine Ehefrau geworden ist. Auch dank ihrer hat Omar in Österreich eine neue Heimat gefunden. Er weiß: „Ich bin angekommen. Ich darf eine Stimme haben für die Tausenden, die keine mehr haben.“

Eine schöne Liebeserklärung. Dicke Leseempfehlung.

 

Omar Khir Alanam

Danke! Wie Österreich meine Heimat wurde

edition a

Wien 2018

158 Seiten, 17,90 Euro

ISBN 9-783990-012680